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Gibt es belgische Weine?

Kurze Antwort

Ja, Belgien produziert seit Anfang der 2000er zunehmend qualitative Weine. Die Rebfläche wuchs von 50 Hektar (2003) auf über 800 Hektar (2024), mit fünf geschützten Herkunftsbezeichnungen: Hagelandse Wijn, Haspengouwse Wijn, Heuvellandse Wijn, Côtes de Sambre et Meuse und Crémant de Wallonie.

Ausführliche Antwort

Die belgische Weinbautradition ist historisch dokumentiert: Bereits im 9. Jahrhundert bewirtschafteten Klöster in der Maasregion und in Huy Weinberge; der Niedergang kam mit der kleinen Eiszeit ab dem 14. Jahrhundert und endgültig mit Importpolitik und Reblaus im 19. Jahrhundert. Der moderne belgische Weinbau erlebt seit den 1980ern eine Wiedergeburt, die durch den Klimawandel beschleunigt wird: Die Durchschnittstemperatur in Belgien stieg seit 1980 um rund 1,8 °C, was den Anbau von Vitis vinifera auf Breitengraden nördlich von Burgund überhaupt erst wirtschaftlich macht.

Die dominierenden Rebsorten sind pilzresistente Hybriden und kühlklima-taugliche Vitis-vinifera-Sorten: Chardonnay (dominant), Pinot Noir, Pinot Gris, Riesling, Auxerrois, Müller-Thurgau sowie PIWIs wie Solaris, Johanniter, Souvignier Gris und Regent. Belgische Crémants (seit der Anerkennung Crémant de Wallonie 2008) wurden bei internationalen Wettbewerben mehrfach ausgezeichnet: Domaine du Chant d'Éole, Domaine Ruffus (Vignoble des Agaises) und Château de Bioul gelten als qualitative Speerspitze. Ruffus produziert seit 2002 und erreicht heute rund 200.000 Flaschen Crémant-Produktion jährlich.

Die fünf geschützten Herkunftsbezeichnungen teilen sich regional: Hagelandse Wijn (Flandern, rund um Hageland, seit 1997), Haspengouwse Wijn (Limburg), Heuvellandse Wijn (Westvlaanderen) für Flandern; Côtes de Sambre et Meuse und Crémant de Wallonie für Wallonien. Wenig bekannt: Das älteste noch aktive Weingut Belgiens, Genoels-Elderen in Limburg (gegründet 1991), wurde 2015 von Robert Parker mit einer 95-Punkte-Bewertung für seinen Chardonnay Goud ausgezeichnet – eine der höchsten jemals an einen belgischen Wein vergebenen Noten. Auch bemerkenswert: Moët & Chandon-Muttergesellschaft LVMH erwarb 2022 keine, aber französische Champagne-Häuser wie Taittinger und Vranken-Pommery haben Weinberge in Südengland gekauft; die Côtes de Sambre et Meuse gelten als klimatisch analoge Region, die mittelfristig ähnliche Investitionen anziehen könnte.

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