Gibt es Weine mit CBD-Infusion?
Kurze Antwort
CBD-infundierte Weine existieren vor allem in den USA, sind aber in der EU rechtlich eingeschränkt. Die EU-Novel-Food-Verordnung verlangt eine spezielle Zulassung für CBD in Lebensmitteln, weshalb der belgische Markt offiziell keine solchen Weine führt.
Ausführliche Antwort
CBD (Cannabidiol) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid aus der Hanfpflanze (Cannabis sativa), das in Lebensmitteln und Getränken zunehmend Verwendung findet. Die ersten CBD-Weine entstanden 2018 in Kalifornien, wo das Proposition 64-Gesetz den Freizeitgebrauch von Cannabis erlaubt. Die Pioniere waren Rebel Coast Winery (Sonoma) mit einem alkoholfreien Sauvignon Blanc mit 5 mg CBD pro Flasche, und House of Saka mit einer Rosé-Linie. Die Produktionstechnik erfordert spezielle Emulgierung: CBD ist fettlöslich, Wein wasserbasiert, weshalb Liposom-Technologien oder Nano-Emulsionen mit medium-chain triglycerides (MCT) eingesetzt werden, um homogene Verteilung zu erreichen.
Die EU-Regulierung ist komplex. Die EU Novel Food-Verordnung 2015/2283 klassifiziert CBD-Extrakte als „neuartige Lebensmittel“, die eine spezifische Zulassung benötigen. Seit 2019 gibt es über 150 Zulassungsanträge bei der EFSA (European Food Safety Authority), die bis Anfang 2026 noch keine Freigabe erteilt hat. In Belgien regelt der Königliche Erlass vom 2. September 2021 den CBD-Handel: Als Kosmetikum und Rauchprodukt erlaubt, als Lebensmittel nicht zugelassen. Importierte CBD-Weine sind also rechtlich problematisch. Die FAVV-Agentur überwacht den Online-Handel mit CBD-Produkten streng.
Ein wenig bekannter Fakt: Die Kombination CBD und Alkohol ist pharmakologisch nicht unproblematisch. CBD hemmt das Leberenzym CYP3A4, das auch Alkohol abbaut, was zu verlängerter Alkoholwirkung führen kann (Studie Journal of Pharmacology 2023). Gesundheitsbehörden raten zur Vorsicht. Die Vermarktung in den USA zielt daher auf alkoholfreie CBD-Weine ab, die rechtlich unkomplizierter und physiologisch sicherer sind. Im Prognosezeitraum 2026–2030 könnten EU-Zulassungen schrittweise folgen, womit CBD-Wein auch in Belgien möglich würde. Alternative Wellness-Trend-Produkte ohne CBD dominieren derzeit den Markt: Adaptogenen-Weine (mit Ashwagandha, Rhodiola), Weine mit Elektrolyten, Vitaminen oder Pflanzenextrakten wie Ginseng. Die Belgische Sommelier-Kammer bleibt kritisch gegenüber „Functional Wines“, die önologisch oft wenig Substanz haben und eher als Lifestyle-Marketing funktionieren.