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Ist Roséwein eine Mischung aus Rot- und Weißwein?

Kurze Antwort

Nein, Roséwein wird aus roten Trauben mit kurzem Maischekontakt (2-24 Stunden) hergestellt. Die Mischung aus Rot- und Weißwein ist in der EU nur für Rosé-Champagner und Rosé-Schaumwein erlaubt – bei Stillwein verboten.

Ausführliche Antwort

Die häufige Verwechslung basiert auf einer plausiblen, aber sachlich falschen Intuition. Methodisch gibt es drei Herstellungsverfahren für Roséwein, die alle von roten Trauben ausgehen und keine Vermischung mit Weißwein vorsehen.

Verfahren 1 – Direktabpressung (Pressurage direct): Die roten Trauben werden unmittelbar nach der Ernte gepresst, ohne Einmaischung. Der kurze Kontakt zwischen Saft und Schale (weniger als 2 Stunden) extrahiert minimale Farbe. Das Ergebnis sind sehr blasse Rosés, typisch für die Provence (Côtes de Provence, Bandol). Die Farbe variiert von Pfirsich-Rose bis zu leichtem Lachsrosa. Diese Methode produziert rund 65 % aller französischen Rosés.

Verfahren 2 – Kurze Maischestandzeit (Macération): Die roten Trauben werden eingemaischt und bleiben 4-24 Stunden im Kontakt mit ihren Schalen, bevor gepresst wird. Je länger der Kontakt, desto intensiver Farbe und Tannin. Das Ergebnis sind farbintensivere Rosés, typisch für Tavel (Rhône) und Navarra (Spanien). Diese Weine haben oft 13-14 % Vol., mehr Struktur und eignen sich zur Speisebegleitung.

Verfahren 3 – Saignée (Ausblutenlassen): Ein Teil des Mostes wird nach kurzer Standzeit aus einem Rotweinfass "abgeblutet" und separat vergoren. Dieses Verfahren wurde historisch entwickelt, um den verbleibenden Rotwein zu konzentrieren. Saignée-Rosés sind eher ein Nebenprodukt der Rotwein-Produktion und gelten qualitativ kontrovers – Puristen der Provence lehnen diese Methode ab.

Eine entscheidende rechtliche Ausnahme: Rosé-Champagner darf durch Assemblage (Mischung von Rotwein und Weißwein) hergestellt werden. Laut INAO-Reglement dürfen Champagne-Häuser 5-20 % roten Grundwein aus Pinot Noir oder Meunier zum weißen Grundwein hinzufügen, um Rosé zu produzieren. Diese Ausnahme wurde 1958 bestätigt und gilt historisch seit dem 19. Jahrhundert. Für alle anderen EU-Stillweine ist die Mischmethode verboten (Verordnung (EG) 606/2009).

Ein wenig bekannter Fakt: Die Farbintensität eines Rosés wird heute nach der Farbskala des Conseil Interprofessionnel des Vins de Provence (CIVP) kategorisiert – 9 Stufen von "Pfirsich" bis "Granatapfel". Die blassesten Rosés sind seit 2015 Marktführer, getrieben durch den Erfolg von Whispering Angel und Château Miraval.

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