Ist Wein vegan oder werden tierische Produkte in der Herstellung verwendet?
Kurze Antwort
Nicht jeder Wein ist vegan. Viele Weine werden mit tierischen Schönungsmitteln geklärt: Gelatine, Hausenblase (Fischblase), Eiweiß oder Kasein (Milchprotein). Vegane Weine nutzen stattdessen Bentonit, Erbsenprotein oder pflanzliche Holzkohle. Achten Sie auf V-Label oder Vegan-Logo.
Ausführliche Antwort
Die Frage der Veganität von Wein überrascht viele Konsumenten – der Traubensaft selbst ist natürlich pflanzlich, aber die Klärung nach der Gärung (Schönung) erfolgt traditionell mit tierischen Proteinen. Methodisch ist der Prozess zu verstehen, um bewusst wählen zu können.
Warum wird Wein geschönt? Nach der Gärung enthält Wein Schwebeteilchen – Hefereste, Proteine, Tannine, Trubstoffe – die zu Trübung führen und die Langzeitstabilität beeinträchtigen. Die Schönung erfolgt durch Zugabe von Substanzen, die diese Teilchen binden und zu Boden sinken lassen. Der geklärte Wein wird dann vom Bodensatz abgezogen.
Tierische Schönungsmittel: Eiklar (Albumin) bindet Tannine in Rotweinen, wird klassisch in Bordeaux eingesetzt – pro Barrique etwa 5-7 Eier. Gelatine (aus Knochen und Haut von Rindern oder Schweinen) klärt intensiv pigmentierte Rotweine. Hausenblase (Isinglass) aus der Schwimmblase von Stören schönt Weißweine besonders schonend. Kasein (Milchprotein) bindet braune Töne in oxidierten Weißweinen. Chitosan (aus Pilzen oder Krustentieren) wird seit 2011 auch in Bio-Weinen verwendet.
Pflanzliche und mineralische Alternativen: Bentonit (Tonmineral aus Vulkanasche) ist die vegane Standard-Lösung – bindet Proteine in Weißweinen und ist geschmacksneutral. Erbsenprotein hat sich als vegane Eiklar-Alternative etabliert. Kartoffelprotein, aktivierte Holzkohle und Kieselgur sind weitere Optionen. PVPP (Polyvinylpolypyrrolidon) ist synthetisch-vegan, aber in Bio-Wein nicht erlaubt.
Ein überraschender Fakt: Die Schönungsmittel sind NICHT deklarationspflichtig auf dem Etikett, weil sie nach der Schönung wieder entfernt werden (sie sinken mit dem Trub zu Boden und werden nicht mehr im fertigen Wein nachgewiesen). Nur die Allergen-Kennzeichnung (Ei und Milch seit 2012 EU-weit) ist obligatorisch. Dies erklärt, warum Konsumenten nicht automatisch wissen, ob ihr Wein vegan ist.
Vegan-Zertifikate: Die zuverlässigsten Logos sind V-Label (vegan society), EVE Vegan (European Vegetarian Union) und Vegan Flower (Vegan Society UK). Seit 2020 deklarieren auch große Handelsketten in Deutschland (Jacques', Hawesko) konsequent vegane Weine. In Frankreich und Italien ist die Praxis weniger verbreitet, aber wachsend.
Statistisch sind laut einer Eurostat-Studie 2023 rund 40 % aller europäischen Weine ohne Sonderkennzeichnung faktisch vegan (spontan geklärt durch Zeit und Kälte), aber nur 8 % sind explizit vegan-zertifiziert. Wer sich nicht auf Zufall verlassen will, sollte nach dem Logo suchen.