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Was genau ist ein Primeur-Wein wie der Beaujolais Nouveau?

Kurze Antwort

Der Beaujolais Nouveau ist ein Primeur-Wein aus der Gamay-Traube, der nur wenige Wochen nach der Lese freigegeben wird – offiziell am dritten Donnerstag im November. Er wird durch Kohlensäuremaischung (macération carbonique) vinifiziert und zeichnet sich durch fruchtige Leichtigkeit und niedrige Tannine aus.

Ausführliche Antwort

Der Beaujolais Nouveau ist das bekannteste Beispiel eines Vin de Primeur, einer Weinkategorie, die in Frankreich gesetzlich geregelt ist. Die Freigabe erfolgt traditionell am dritten Donnerstag im November um 0:01 Uhr – ein Datum, das 1985 per Dekret festgelegt wurde, nachdem die ursprüngliche Regelung aus dem Jahr 1951 mehrfach geändert worden war. In den Spitzenjahren der 1980er erreichte der Export weltweit rund 65 Millionen Flaschen, bevor er in den 2010er Jahren deutlich einbrach.

Die Vinifikationstechnik, die macération carbonique, wurde in den 1930er Jahren vom Önologen Jules Chauvet wissenschaftlich beschrieben. Dabei werden die ganzen Beeren in einen mit CO2 gefluteten Tank gegeben. Im Inneren der Beeren setzt eine intrazelluläre Fermentation ein, die fruchtige Ester wie Isoamylacetat (Banane) und Ethylcinnamat (Erdbeere-Bonbon) produziert. Diese Aromen sind die olfaktorische Signatur des Beaujolais Nouveau.

Ein oft übersehener Punkt: Nicht jeder Beaujolais ist ein Nouveau. Die zehn Crus des Beaujolais – darunter Moulin-à-Vent, Morgon und Fleurie – dürfen keinen Primeur produzieren und entwickeln über mehrere Jahre eine an Pinot Noir erinnernde Komplexität. Kritisiert wird der Nouveau gelegentlich für sein Marketing-Konzept, doch er spielt eine wichtige Rolle in der Cashflow-Stabilität der Winzer, da er innerhalb weniger Wochen nach der Lese verkauft wird – ein einzigartiges Wirtschaftsmodell im französischen Weinbau.

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