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Was ist Bâtonnage?

Kurze Antwort

Bâtonnage ist das regelmäßige Aufrühren der abgesetzten Hefen (Lies) im Fass während des Weinausbaus. Es verleiht dem Wein Cremigkeit, Fülle und komplexe Hefe-Aromen wie Brotkruste und Biskuit.

Ausführliche Antwort

Das Bâtonnage (von französisch "bâton", Stock) ist eine önologische Technik, die ursprünglich aus dem Burgund stammt und seit Generationen für Chardonnay-Weißweine angewendet wird. Der Prozess besteht darin, die nach der alkoholischen Gärung am Fassboden abgesetzten Hefen ("lies fines", Feinhefe) mit einem speziellen Werkzeug (dem Bâton, einer Art langer Holzstange mit paddelförmigem Ende) regelmäßig aufzuwirbeln. Die Frequenz variiert je nach Stil: 1 bis 2 Mal pro Woche in den ersten 2 bis 3 Monaten, dann monatlich oder sogar weniger oft.

Die chemische Wirkung des Bâtonnage ist präzise: Die aufgewirbelten Hefen setzen Mannoproteine, Polysaccharide und freie Aminosäuren in den Wein frei (Prozess der Hefeautolyse). Diese Verbindungen verleihen dem Wein cremige Textur, Volumen und Aromen von Brotkrume, Keksen und Hefe. Gleichzeitig verbrauchen die aktiven Hefen restliche Sauerstoffmoleküle, was den Wein vor oxidativer Alterung schützt. Die Mannoproteine binden auch Tannine und stabilisieren Farb- und Proteinverbindungen. Der Prozess verlangt präzise Temperatur (10 bis 15 °C) und stabile SO₂-Werte, um das Wachstum unerwünschter Brettanomyces-Hefen zu verhindern.

Die bekanntesten Anwendungsgebiete sind Weiß-Burgunder (Meursault, Puligny-Montrachet, Chassagne-Montrachet), Chablis, Weißer Rhône (Condrieu, Hermitage Blanc), Premier Cru Champagne und zunehmend internationale Chardonnays aus Kalifornien, Oregon und Australien. Die Dauer des Bâtonnage-Ausbaus reicht von 8 Monaten (für leichtere Stile) bis 18 oder 24 Monaten (für Grand Cru Meursault). Wenig bekannt: Die Moderne zeigt eine Debatte in der burgundischen Sommellerie. Winzer wie Dominique Lafon, Anne-Claude Leflaive oder Jean-François Coche-Dury haben in den letzten 20 Jahren das Bâtonnage drastisch reduziert oder sogar abgeschafft. Der Grund: Zu intensives Bâtonnage erzeugt "surmaturité", eine aromatische Überreife, die die Präzision und mineralische Frische des Terroirs überdecken kann. Die moderne burgundische Tendenz geht zu "élevage sur lies sans bâtonnage" – Reifung auf der Hefe ohne Aufrühren. Auch der dramatische Anstieg der "prematurox"-Oxidationsprobleme burgundischer Weißweine zwischen 1995 und 2010 wurde teilweise auf zu intensive Bâtonnage zurückgeführt, was die Industrie zu mehr Zurückhaltung bewogen hat.

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