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Was ist biodynamische Weinbergbewirtschaftung?

Kurze Antwort

Die Biodynamik ist eine ganzheitliche Weinbaumethode, die auf den Prinzipien Rudolf Steiners basiert. Sie verwendet Präparate aus Pflanzen, Mist und Mineralien, orientiert die Arbeiten am Mond-Kalender und betrachtet den Weinberg als lebenden Organismus.

Ausführliche Antwort

Die biodynamische Weinbergbewirtschaftung wurde 1924 von Rudolf Steiner in seinem landwirtschaftlichen Kurs in Koberwitz entwickelt und hat sich in den letzten 40 Jahren zu einer ernsthaften weinbaulichen Disziplin entwickelt. Sie geht über den biologischen Weinbau hinaus, indem sie kosmische Rhythmen, spezifische Präparate und eine ganzheitliche Herangehensweise an das Ökosystem integriert. Die Zertifizierung erfolgt hauptsächlich durch Demeter (seit 1928) oder Biodyvin (seit 1995, exklusiv für Wein).

Das Herzstück der Biodynamik sind die neun Präparate 500 bis 508. Präparat 500 (Kuhhornmist) wird über den Winter in einem Kuhhorn vergraben und im Frühjahr verdünnt auf den Boden gesprüht, um das Bodenleben zu aktivieren. Präparat 501 (Hornkiesel) wird im Sommer versprüht, um die Lichtaufnahme der Pflanze zu verbessern. Die Kompost-Präparate 502–507 enthalten Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian, die bestimmte Stoffwechsel-Prozesse im Kompost anregen. Das Präparat 508 (Ackerschachtelhalm-Tee) dient als präventives Mittel gegen Pilzkrankheiten.

Die Ausrichtung der Arbeiten am biodynamischen Kalender ist ein kontroverses Element. Nach Maria Thun werden Tage in Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Frucht-Tage unterteilt, basierend auf der Mond-Position im Tierkreis. Weinbergsarbeiten und sogar Verkostungen sollen an bestimmten Tagen erfolgen. Ein überraschender Fakt: Die weltweit besten Weingüter haben die Biodynamik adoptiert – Domaine de la Romanée-Conti (seit 1986), Domaine Leroy, Domaine Leflaive, Zind-Humbrecht, Nicolas Joly (Coulée de Serrant) und viele mehr. Aubert de Villaine, Co-Besitzer der DRC, erklärte in einem Interview 2015, dass die Biodynamik „nicht wissenschaftlich beweisbar, aber empirisch wirksam“ sei. Die wissenschaftliche Bewertung bleibt umstritten – eine Metaanalyse von 2018 (Universität Davis) konnte keine signifikante Qualitätsverbesserung gegenüber biologischem Weinbau feststellen, aber eine erhöhte Biodiversität und Bodenaktivität.

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