Was ist Carignan und wie hat sich sein Ruf gewandelt?
Kurze Antwort
Carignan ist eine robuste, spätreifende Rotweinsorte spanischen Ursprungs (dort Cariñena oder Mazuelo genannt), jahrzehntelang als Massenträger verkannt. Heute liefern alte Buschreben im Languedoc, Priorat und Chile konzentrierte, tanninreiche Weine mit Kirsche, Lakritz, Garrigue und lebendiger Säure.
Ausführliche Antwort
Der Carignan stammt aus der Region Aragón in Nordspanien, wo die Kleinstadt Cariñena der Rebsorte ihren französischen Namen gab. In Spanien selbst wird sie überwiegend als Mazuelo bezeichnet, in Katalonien als Samsó oder Carinyena, in Sardinien als Carignano und in Kalifornien als Carignane. Mit rund 50.000 Hektar weltweit, davon etwa 27.000 Hektar in Frankreich, bleibt sie eine bedeutende Rebsorte, auch wenn ihre Fläche seit den 1980er Jahren durch Ausrodungsprämien der EU stark reduziert wurde (Mitte der 1980er Jahre umfasste sie allein in Frankreich noch 215.000 Hektar).
Eine paradoxe Situation: In seiner Jugend liefert Carignan von hohem Ertrag rustikale, säurebetonte und tanninharte Weine, die den schlechten Ruf begründeten. Doch auf alten Buschreben (oft 50 bis 100 Jahre), unveredelt, mit natürlich niedrigen Erträgen unter 25 hl/ha, entwickelt die Rebsorte außergewöhnliche Konzentration und Langlebigkeit. Das Priorat DOCa in Katalonien, 2000 zu einer der nur zwei spanischen DOCa-Klassifizierungen erhoben, basiert neben Garnacha maßgeblich auf alten Cariñena-Reben auf Llicorella-Schieferböden.
Ein weniger bekanntes Detail: In Chile wurde Carignan 1939 nach dem Erdbeben von Chillán durch die staatliche Landwirtschaftsbehörde im Maule-Tal gepflanzt, um die lokale Weinwirtschaft nach der Zerstörung wieder aufzubauen. Diese Reben, heute 80+ Jahre alt, sind die Grundlage der Vereinigung VIGNO (Vignadores de Carignan), gegründet 2010 von zwölf Winzern, die sich dem Schutz und der qualitativen Verwertung dieser historischen Buschreben widmen. Die Mitglieder müssen mindestens 65 % Carignan von mindestens 30 Jahre alten, nicht bewässerten Reben verwenden und eine 24-monatige Reifung einhalten.
Im Languedoc erlebt Carignan eine Renaissance durch Winzer wie Sylvain Fadat (Domaine d'Aupilhac), Olivier Jullien und Léon Barral. Die Appellation Corbières-Boutenac AOC, geschaffen 2005, erkennt diese Qualität an und verlangt mindestens 30 % Carignan aus Reben von mindestens 30 Jahren. Bei ordentlicher Reife (Alkoholgehalt 13 bis 14,5 %vol) und gekonnter Vinifikation (oft mit teilweiser Kohlensäuremaischung zur Tanninabrundung) entstehen Weine mit Aromen von Brombeere, getrockneten Feigen, Lorbeer, Thymian und sanfter Eichenintegration, mit 10 bis 20 Jahren Alterungspotenzial.