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Was ist der Chardonnay?

Kurze Antwort

Chardonnay ist die weltweit meistangebaute Weißweinsorte (211.000 ha), DNA-bestätigt als natürliche Kreuzung aus Pinot Noir und Gouais Blanc in mittelalterlichen burgundischen Weinbergen. Die Sorte ist extrem anpassungsfähig und ergibt Weine von knochentrocken-mineralisch (Chablis) bis reich und buttrig (Kalifornien, Australien).

Ausführliche Antwort

Chardonnay stammt aus dem Burgund, genauer aus dem gleichnamigen Dorf im Mâconnais – Chardonnay-Ortschaft existiert seit 1600. Die genetische Herkunft wurde 1999 durch Carole Meredith und John Bowers an der Universität Davis entschlüsselt: Pinot Noir × Gouais Blanc (eine heute fast ausgestorbene Sorte, die im Mittelalter massiv angebaut wurde). Diese Elternpaarung gebar neben Chardonnay auch Gamay, Aligoté, Melon de Bourgogne, Auxerrois und 15 weitere Sorten. Die extreme Anpassungsfähigkeit erklärt sich aus dieser hybriden Herkunft.

Die önologische Flexibilität ist einzigartig: Chardonnay hat neutrale primäre Aromen, was ihn zum perfekten Vehikel für Terroir-Ausdruck und Vinifikationstechnik macht. In Chablis (Kalk-Mergel, kühles Klima, meist ohne Holz oder nur große Foudres) ergibt er knochentrockene Weine mit Austernschalen- und Zitrusnoten. In Meursault und Puligny-Montrachet (Côte de Beaune, Kalk, Barrique-Ausbau) entwickelt er Haselnuss-, Butter- und Brioche-Noten. In Kalifornien und Australien (wärmere Klimazonen, neue Barriques, malolaktische Gärung) erreicht er tropische Frucht, Vanille und Sahne-Aromen.

Die drei entscheidenden Vinifikationsentscheidungen bei Chardonnay sind: 1) Malolaktische Gärung (biologischer Säureabbau, wandelt Äpfelsäure in Milchsäure um) – gibt buttrige Texturen, verringert aber Frische; 2) Batonnage (Aufrühren der Hefe im Fass) – ergibt cremige Texturen und Brioche-Aromen; 3) Holzeinsatz und Herkunft (französische Eiche Allier = dezent, amerikanische Eiche = vanillig, neue vs. gebrauchte Barriques). Wenig bekannt: Chardonnay ist die einzige erlaubte weiße Rebsorte in 6 der 7 Grands Crus des Chablis (nur Grenouilles hat Ausnahmen) und eine der drei Champagner-Rebsorten. Blanc de Blancs-Champagner aus 100 % Chardonnay stammt überwiegend von der Côte des Blancs (Avize, Le Mesnil-sur-Oger, Cramant, Oger) – kreidige Böden aus Belemniten-Kalk, die weltweit einzigartige Mineralität ergeben. Der teuerste Chardonnay der Welt ist Montrachet Grand Cru von Domaine de la Romanée-Conti mit aktuellen Auktionspreisen über 10.000 Euro pro Flasche – aus einer 0,68-Hektar-Parzelle mit jährlich nur rund 2.400 Flaschen.

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