Was ist der Grenache bzw. die Garnacha?
Kurze Antwort
Grenache (französisch) oder Garnacha (spanisch) ist eine rote Rebsorte spanischer Herkunft, weltweit auf rund 160.000 Hektar angebaut. Sie dominiert die südliche Rhône (Châteauneuf-du-Pape), Priorat, La Rioja und Sardinien (als Cannonau). Die Sorte ergibt alkoholreiche, fruchtige Weine mit niedriger Säure und Aromen von Erdbeere, weißem Pfeffer und Kirsche.
Ausführliche Antwort
Die Herkunft der Garnacha ist der Grund für einige Kontroversen. Die wahrscheinlichste Theorie lokalisiert den Ursprung in Aragonien, Nordspanien, im 12. oder 13. Jahrhundert – DNA-Analysen zeigten genetische Nähe zu historischen aragonischen Varianten. Die Rebsorte breitete sich mit der Wiederbesiedlung Kataloniens und später mit den Habsburger-Verbindungen nach Sardinien (wo sie Cannonau heißt und eine sardische Eigenherkunft beansprucht wird) und Südfrankreich aus. Papst Clemens V. (1305–1314), Pierre de Bertrand, trug zur Verbreitung im Rhône-Tal bei, als er seinen Sitz nach Avignon verlegte.
Agronomisch ist Grenache extrem trockenheitsresistent: Tiefe Wurzeln (oft 15+ Meter) und dicke Beerenschalen machen die Sorte ideal für die heißen, trockenen Bedingungen der südlichen Rhône, Kataloniens und Sardiniens. Grenache treibt früh aus (anfällig für Frühjahrsfröste), reift spät (Ende September bis Oktober) und erreicht hohe Zuckergehalte, die in Alkoholwerte von 14,5–16 % vol. umgesetzt werden. Die natürliche Säure ist niedrig, was die Sorte traditionell zum Cuvée-Partner für strukturgebende Rebsorten wie Syrah, Mourvèdre oder Carignan macht – die berühmten GSM-Cuvées Südfrankreichs.
Priorat in Katalonien ist einer der faszinierendsten Grenache-Ausdrücke weltweit: Die Licorella-Schieferböden, oft auf extrem steilen Terrassen (bis 60 % Gefälle), in Kombination mit sehr alten Garnacha-Reben (80–120 Jahre) produzieren extrem konzentrierte Weine mit 14,5–15,5 % vol., dichter Tanninstruktur und mineralischer Präzision. Die Wiederbelebung der Region begann 1989 durch Álvaro Palacios, René Barbier, Carles Pastrana und Daphne Glorian (Clos Mogador) – heute erreichen Spitzenweine wie Palacios L'Ermita über 900 Euro pro Flasche. Wenig bekannt: Château Rayas in Châteauneuf-du-Pape produziert einen 100-%-Grenache (eine Ausnahme in einer Appellation, die bis zu 13 Rebsorten erlaubt) auf ungewöhnlich sandigem Boden, was dem Wein eine einzigartige Pinot-Noir-ähnliche Eleganz verleiht. Die Rayas-Flasche wird als einer der transparentesten Grenache-Ausdrücke weltweit gehandelt, mit Preisen von 800–2.000 Euro für aktuelle Jahrgänge. Auch bemerkenswert: Die weltweit ältesten kontinuierlich produzierenden Grenache-Reben stehen in Sardinien, auf dem Gut Mamuthones (Giuseppe Sedilesu), wo einige Rebstöcke über 200 Jahre alt sind – die Reblaus erreichte Sardinien nie.