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Was ist der Riesling?

Kurze Antwort

Riesling ist eine aromatische Weißweinsorte deutschen Ursprungs, ausgezeichnet durch extreme Säurestruktur, Mineralität und Alterungspotenzial. Sie produziert Weine in allen Süßegraden – von knochentrocken bis edelsüß (Trockenbeerenauslese, Eiswein). Kernregionen: Deutschland (Mosel, Rheingau, Pfalz), Elsass und Österreich (Wachau).

Ausführliche Antwort

Die erste dokumentierte Erwähnung des Riesling datiert auf 1435 aus den Abrechnungen des Grafen Johann IV. von Katzenelnbogen in Rüsselsheim. DNA-Analysen zeigten 1998, dass Riesling aus einer komplexen Kreuzung zwischen einer wilden rheinischen Vitis-vinifera-Sorte und Gouais Blanc entstand – wiederum dieselbe Gouais-Mutter, die auch Chardonnay, Gamay und 14 weitere Kultursorten hervorbrachte. Die genetische Linie verbindet Riesling also direkt mit den burgundischen Weißweinen.

Die deutsche Prädikatswein-Klassifikation unterscheidet Riesling nach Mostgewicht bei der Lese, gemessen in Grad Oechsle: Kabinett (ab 70 °Oe, etwa 9 % vol. potenziell), Spätlese (80 °Oe), Auslese (83 °Oe), Beerenauslese (110 °Oe, von Botrytis befallene Einzelbeeren), Eiswein (110 °Oe, bei ≤ –7 °C am Rebstock gefroren geerntet), Trockenbeerenauslese (150 °Oe, edelfaul rosiniert). Die Klassifikation bezieht sich nicht direkt auf den Endrestzucker – ein Riesling Spätlese kann trocken (bis 9 g/l Restzucker) oder feinherb (bis 18 g/l) oder lieblich sein, je nach Vinifikationsentscheidung.

Die VDP-Klassifikation (Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter), 2002 formalisiert, orientiert sich am burgundischen Lagensystem: Gutswein (regional), Ortswein (Dorf), Erste Lage (Premier Cru), Große Lage (Grand Cru) – mit dem Wein-Label Großes Gewächs (GG) für trockene Weine aus Grossen Lagen. Die Mosel-Spezialität ist die Kombination aus steilen Schieferlagen (bis 68 % Gefälle in der Wehlener Sonnenuhr oder Bernkasteler Doctor), niedrigen Alkoholwerten (7,5–10 % vol. bei klassischen Kabinetten) und extremer Lagerfähigkeit. Wenig bekannt: Rieslinge aus guten Jahrgängen können 50–100 Jahre lagern – eine Flasche Schloss Johannisberg Kabinett 1811 (das sogenannte Kometenjahr) wurde 2014 bei Christie's versteigert und anschließend verkostet, wobei sie noch erkennbar fruchtig und frisch war. Auch die deutsche Weingeschichte verdankt Riesling ihre moderne Klassifikation: Schloss Johannisberg war 1775 der erste dokumentierte Fall einer verspäteten Ernte aus edelfaulen Trauben – zwei Jahrzehnte vor Sauternes. Ein Bote des Fürstbischofs wurde verzögert und brachte die Leseerlaubnis zu spät; die scheinbar verdorbenen Trauben ergaben einen sensationellen Süßwein.

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