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Was ist der Systematic Approach to Tasting (SAT) des WSET?

Kurze Antwort

Der Systematic Approach to Tasting (SAT) ist eine strukturierte Verkostungsmethode des Wine & Spirit Education Trust (WSET), die Wein anhand von Aussehen, Nase, Gaumen und Qualitätsurteil in standardisierter Reihenfolge analysiert. Sie bildet den internationalen Referenzrahmen für professionelle Weinbewertung.

Ausführliche Antwort

Der SAT wurde vom WSET in London entwickelt und 2019 in seiner aktuellen Fassung als WSET Level 3 und Level 4 SAT veröffentlicht. Er bricht die Verkostung in vier Hauptphasen: das Auge bewertet Klarheit, Intensität und Farbton (für Rotweine etwa von Purpur über Rubin zu Granat und schließlich Ziegelrot, ein Reifemarker). Die Nase wird nach Zustand, Intensität und Aromenkategorien (primär aus der Traube, sekundär aus der Gärung wie Milchsäure oder Hefeautolyse, tertiär aus der Reifung im Holzfass oder der Flaschenreife) untersucht. Am Gaumen werden Süße, Säure, Tannine, Alkohol, Körper, Aromenintensität, Aromenprofil und Abgang bewertet, stets auf einer festen Skala von low/medium(-)/medium/medium(+)/high.

Besonders präzise ist die BLIC-Methode (Balance, Length, Intensity, Complexity) zur Qualitätsbeurteilung, ergänzt durch das BLICC-Modell mit dem fünften C für „Typicity“ auf Level 4. Ein wenig bekannter Aspekt: Der SAT verbietet bewusst subjektive Wertungen wie „angenehm“ oder „lecker“ und ersetzt sie durch objektiv beobachtbare Deskriptoren, um internationale Vergleichbarkeit zwischen Prüfern in London, Tokio oder São Paulo sicherzustellen.

Für die Master of Wine-Prüfung wird der SAT in einer anspruchsvolleren Variante verwendet, die eine blinde Herkunftsbestimmung mit Begründungskette verlangt. Die Methode konkurriert mit dem Court of Master Sommeliers Deductive Tasting Format, das stärker auf Service-Kontext ausgerichtet ist. In der DACH-Region nutzen viele VDP-Gutsverkoster sowie die Weinakademie Österreich den SAT als gemeinsame Grundlage für Sensorikpanels.

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