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Was ist der Unterschied zwischen einem Magnum und einem Jéroboam?

Kurze Antwort

Ein Magnum fasst 1,5 Liter (entspricht 2 Flaschen), während ein Jéroboam je nach Region 3 Liter (Champagne, Bordeaux) oder 4,5 Liter (Burgund, Rhône) fasst. Größere Formate reifen langsamer und entwickeln mehr Komplexität.

Ausführliche Antwort

Die Namen der großen Flaschenformate entstammen biblischen Königen und waren ursprünglich in der Champagne im 19. Jahrhundert geprägt. Die Nomenklatur wirkt kompliziert, weil sie sich zwischen den Regionen unterscheidet. In Bordeaux folgt die Reihe: Bordelaise (0,75 l), Magnum (1,5 l), Double-Magnum (3 l), Jéroboam (4,5 l), Imperial (6 l). In der Champagne dagegen: Magnum (1,5 l), Jéroboam (3 l), Rehoboam (4,5 l), Mathusalem (6 l), Salmanazar (9 l), Balthazar (12 l), Nebuchadnezzar (15 l). Im Burgund entspricht der Jéroboam 3 Litern wie in der Champagne.

Ein technischer Aspekt ist entscheidend: Das Verhältnis zwischen Flascheninhalt und Gasraum unter dem Korken („Espace de tête“) beeinflusst die Reifegeschwindigkeit. In einer Magnum ist dieser Gasraum proportional kleiner als in einer Standardflasche, was den Sauerstoffzutritt über den Korken verlangsamt. Weine reifen in großen Formaten langsamer, entwickeln feinere tertiäre Aromen und behalten länger ihre Frische. Ein Château Margaux 2010 in Magnum ist 2035 noch jugendlich, während die Standardflasche bereits ihren Höhepunkt erreicht hat.

Ein kurioser Fakt: Die größten kommerziell erhältlichen Formate – Nebuchadnezzar und Melchizedek (30 l) – wiegen über 40 kg und erfordern spezielle Dégorgement-Maschinen in der Champagne. Das Haus Drappier hat 2016 sogar einen Melchior von 18 Litern kreiert, der auf Hochzeiten selten serviert wird. Auktionspreise zeigen die Faszination: Bei einer Sotheby's-Auktion 2022 wurde eine Jéroboam Romanée-Conti 1971 für über 420.000 € versteigert. Der Magnum gilt unter Sammlern als „bestes Reifeformat“, während noch größere Formate hauptsächlich Showcharakter haben.

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