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Was ist die Bordeaux-Klassifikation von 1855?

Kurze Antwort

Die Klassifikation von 1855 ist eine Rangliste der besten Bordeaux-Châteaus, im Auftrag Napoleons III. zur Pariser Weltausstellung erstellt. Sie umfasst 61 Rotweingüter des Médoc (plus Haut-Brion aus Graves) in fünf Stufen von Premier Cru bis Cinquième Cru sowie 27 Süßweingüter aus Sauternes-Barsac in zwei Stufen.

Ausführliche Antwort

Die Klassifikation wurde vom Bordelaiser Handelssyndikat (Syndicat des Courtiers de Commerce) auf Basis einer einfachen Methodik erstellt: der durchschnittlichen Marktpreise der Châteaus in den vorangegangenen 100 Jahren. Es gab keine Verkostungen, die Preise sollten die kumulierte Qualität objektiv widerspiegeln. Die fünf Premiers Crus (damals vier) waren Château Lafite, Château Latour, Château Margaux und Château Haut-Brion; 1973 wurde Mouton-Rothschild nach 50-jährigem Lobbying von Baron Philippe de Rothschild als fünftes Premier Cru hinzugefügt, die einzige Modifikation in 170 Jahren.

Die fünf Stufen umfassen: 5 Premiers Crus ("First Growths"), 14 Deuxièmes Crus (u.a. Rauzan-Ségla, Léoville-Las-Cases, Pichon-Longueville, Cos d'Estournel), 14 Troisièmes Crus, 10 Quatrièmes Crus und 18 Cinquièmes Crus. Geografisch konzentrieren sich die Güter im Médoc (fast alle linken Ufer-Weine), mit Château Haut-Brion in Pessac als einzige Ausnahme, es wurde wegen seines historisch hohen Marktpreises trotz seiner Graves-Lage aufgenommen. Pomerol und Saint-Émilion wurden komplett ignoriert, was rückblickend das größte Manko der Klassifikation ist.

Die Sauternes-Klassifikation umfasst drei Ebenen: Premier Cru Supérieur (einzig Château d'Yquem), 11 Premiers Crus (Climens, Suduiraut, Rieussec, Guiraud, La Tour Blanche, de Rayne-Vigneau, Sigalas-Rabaud, Rabaud-Promis, Lafaurie-Peyraguey, Coutet und Clos Haut-Peyraguey) und 15 Deuxièmes Crus. Wenig bekannt: Die Klassifikation wurde von Napoleon III. nicht angefragt, sondern nachträglich akzeptiert, sie war ursprünglich eine lokale Initiative, die durch die Weltausstellung internationale Prominenz erlangte. Auch bemerkenswert: Die rechtliche Verankerung erfolgte erst 1973 durch eine Ministerialverordnung, welche die Klassifikation als "unwiderruflich" erklärte, eine bemerkenswerte Absicherung gegen Reformdruck. Mehrere Châteaus haben seit 1855 ihre Qualität erheblich verändert, einige Fünftklassige (Lynch-Bages, Pontet-Canet) erreichen heute Preisniveaus von Zweitklassigen.

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