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Was ist die Klassifikation von Saint-Émilion?

Kurze Antwort

Die Klassifikation von Saint-Émilion ist eine seit 1955 alle zehn Jahre überprüfte Qualitätshierarchie der Châteaux der Appellation Saint-Émilion Grand Cru. Sie unterteilt die Güter in Premiers Grands Crus Classés A, Premiers Grands Crus Classés B und Grands Crus Classés. Die jüngste Revision von 2022 brachte tiefgreifende Veränderungen mit sich.

Ausführliche Antwort

Im Gegensatz zur statischen 1855er Klassifikation des Médoc wurde die Saint-Émilion-Klassifikation bewusst als dynamisches System konzipiert. Die Kriterien umfassen historische Leistungen, aktuelle Verkostungsbewertungen (40 Prozent), Terroir-Analyse (30 Prozent), Vermarktungsstrategie (20 Prozent) und Betriebsführung (10 Prozent). Jede Revision hat zu Aufwertungen, Degradierungen und zuweilen zu juristischen Konflikten geführt – insbesondere die Revision von 2006 wurde vom Verwaltungsgericht annulliert und musste 2012 neu durchgeführt werden.

Die Revision von 2022 war historisch: Château Cheval Blanc, Château Ausone und Château Angélus – drei der vier Premiers Grands Crus Classés A – zogen sich freiwillig aus dem Klassifikationsprozess zurück, aus Protest gegen die neuen Bewertungskriterien, die ihrer Meinung nach Vermarktung und Tourismus überbewerten. Château Pavie blieb als einziges historisches "A" im System, während Château Figeac zum neuen Premier Grand Cru Classé A aufstieg – eine jahrzehntelang erwartete Aufwertung. Insgesamt umfasst die Klassifikation 2022 zwei Premiers Grands Crus Classés A, 12 Premiers Grands Crus Classés B und 71 Grands Crus Classés.

Wichtig für den Käufer: Die AOC "Saint-Émilion Grand Cru" (ohne "Classé") ist nicht Teil der Klassifikation und unterscheidet sich qualitativ oft nur marginal von der Basis-AOC Saint-Émilion. Der Unterschied liegt in einem niedrigeren Maximalertrag (46 statt 53 hl/ha) und einem höheren Mindestalkoholgehalt. Ein wenig bekannter Fakt: Saint-Émilion ist seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe, als erste Weinlandschaft weltweit, die diese Auszeichnung erhielt. Die Appellation umfasst rund 5500 Hektar und ist damit deutlich grösser als die gesamte Appellation Pomerol (785 Hektar), trotz ähnlicher Rebsortenmischung (Merlot-dominiert mit Cabernet Franc).

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