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Was ist die Revue du Vin de France?

Kurze Antwort

Die Revue du Vin de France (RVF) ist das einflussreichste französische Weinmagazin, gegründet 1927. Sie bewertet französische und internationale Weine mit einer 20-Punkte-Skala und vergibt jährlich "Les Étoiles" – die bedeutendste französische Weinauszeichnung. Autoritativ für Bordeaux-, Burgund- und Rhône-Bewertungen.

Ausführliche Antwort

Die Revue du Vin de France wurde 1927 gegründet und gilt seither als institutionelle Stimme der französischen Weinkritik. Der Gründer Raymond Baudoin war Freund zahlreicher Weinhändler und Winzer; sein Sohn Claude Baudoin-Lebrun übernahm die Leitung nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute gehört die RVF zur Marie-Claire-Gruppe und erscheint monatlich mit einer verkauften Auflage von ca. 45.000 Exemplaren – plus Sonderausgaben und digitale Versionen.

Die Methodik der RVF basiert auf der traditionellen französischen 20-Punkte-Skala (statt der angelsächsischen 100-Punkte-Skala, die von Robert Parker populär gemacht wurde). Weine ab 16/20 gelten als "ausgezeichnet", 14-15,5 als "sehr gut", 12-13,5 als "gut". Die Bewertungen werden von einem redaktionellen Komitee unter der Leitung des Chefredakteurs (seit 2022: Olivier Poels) durchgeführt, mit systematischen Blindverkostungen in Panel-Format. Anders als bei Parker gibt es keinen einzelnen "Papst" – die RVF repräsentiert kollektive Expertise.

Die jährliche Auszeichnung "Les Étoiles de la RVF" (seit 1979) gilt als wichtigste französische Weinehre. Domänen erhalten 1 bis 3 Sterne, entsprechend Michelin-Sternen im Gastronomiebereich. Aktuelle 3-Sterne-Träger umfassen Domaine de la Romanée-Conti, Château Margaux, Château Latour, Domaine Leroy, Domaine Leflaive, Henri Jayer (historisch), und rund 20 weitere Elite-Erzeuger. Eine Herabstufung (z. B. von 3 auf 2 Sterne) ist ein Signal der gesamten französischen Weinwelt.

Ein wenig bekannter Aspekt: Die RVF pflegt eine unabhängige Redaktionspolitik, die weniger kommerziellen Druck erfährt als angelsächsische Kritiker. Die französische Tradition der Weinberichterstattung vermeidet individuelle Starbewertungen zugunsten kollektiver Analysen. Bemerkenswert: die RVF veröffentlicht auch kritische Artikel über überbewertete Appellationen oder problematische Erzeugerpraktiken – was bei kommerziell abhängigeren Publikationen selten ist.

Historische Bedeutung: Henri Gault (später Gault-Millau-Mitbegründer) und Michel Brûlé prägten in den 1960er-70er Jahren die moderne RVF-Methodik. Der ehemalige Chefredakteur Michel Bettane (1989-2007) etablierte die RVF international als Referenz. Nach seinem Abgang gründete er zusammen mit Thierry Desseauve den Konkurrenz-Guide Bettane+Desseauve, der ebenfalls zur Spitze der französischen Weinkritik gehört.

Digitale Transformation: Seit 2018 bietet die RVF einen Premium-Online-Service mit Zugriff auf 150.000+ Verkostungsnotizen, Jahrgangsarchive und Live-Berichte von En-primeur-Verkostungen. Der Abonnementpreis liegt bei ca. 180 € jährlich für den Premium-Zugang.

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