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Was ist ein Amarone?

Kurze Antwort

Amarone della Valpolicella ist ein venezianischer DOCG-Rotwein, gekeltert aus angetrockneten Trauben (appassimento-Verfahren). Die Rebsorten Corvina, Corvinone, Rondinella und Molinara werden 100–120 Tage getrocknet, verlieren 30–40 % ihres Gewichts und ergeben dichte, alkoholreiche Weine mit 15–17 % vol.

Ausführliche Antwort

Amarone ist das Produkt einer zufälligen Entdeckung der 1930er Jahre: Die Region Valpolicella (nordöstlich von Verona) produzierte traditionell den süßen Recioto, einen Wein aus getrockneten Trauben, bei dem die Gärung stoppte, bevor aller Zucker in Alkohol umgewandelt war. 1936 oder 1938 (Quellen variieren) ließ der Kellermeister Adelino Lucchese der Cantina Sociale Valpolicella ein Fass Recioto versehentlich durchgären, was einen trockenen, kraftvollen Wein ergab. Er nannte es Amarone (der Bittere) im Kontrast zum süßen Recioto. Die offizielle DOC-Anerkennung erfolgte 1968, die DOCG-Aufstufung 2010.

Das appassimento-Verfahren ist aufwändig: Die besten Trauben werden selektiert und in Holzkisten (plateaux) oder auf Bambusgittern (arele) in luftigen Trockenkammern (fruttai) gelagert, traditionell zwischen Ernte und Januar/Februar. Moderne Betriebe verwenden temperaturkontrollierte Kammern mit Luftfeuchte-Regulierung, um Botrytis-Befall zu vermeiden. Der Gewichtsverlust von 30–40 % konzentriert Zucker, Säure und Aromen, erhöht aber auch den Pektingehalt und die Viskosität. Die Gärung dauert aufgrund des hohen Zuckergehalts 30–50 Tage, oft unterbrochen und wieder angeregt.

Die Valpolicella-Hierarchie umfasst vier Stile aus denselben Trauben: Valpolicella (Einstieg, keine Trocknung), Valpolicella Ripasso (Standard-Wein, der über die Amarone-Trester rückvergoren wird, "Baby-Amarone"), Amarone und Recioto (süß). Die Ripasso-Technik wurde 1983 von Masi patentiert und ist heute eine eigene DOC. Wenig bekannt: Der Unterschied zwischen der klassischen Subzone Valpolicella Classica (westliche Hügel, nur 2.200 Hektar) und der erweiterten Zone ist qualitativ erheblich. Giuseppe Quintarelli, der verstorbene Patriarch der Valpolicella (1927–2012), produzierte Amarone, der 10 Jahre fassreifte und auf Auktionen 800–1.500 Euro pro Flasche erreicht. Romano Dal Forno entwickelte ab 1983 einen modernistischen Stil mit höheren Alkoholwerten (17 %) und intensiverer Konzentration. Weniger bekannt: Amarone darf seit 2003 nicht mehr als "Valpolicella Amarone" etikettiert werden, um eine klare Trennung zum Basiswein zu schaffen.

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