Was ist ein Brunello di Montalcino?
Kurze Antwort
Brunello di Montalcino ist ein toskanischer DOCG-Rotwein, zu 100 % aus der Sangiovese-Grosso-Klon-Variante (lokal Brunello genannt) gekeltert. Er verlangt mindestens 50 Monate Reifung vor der Vermarktung, davon 24 Monate in Eichenfässern und 4 Monate in der Flasche. Die Riserva-Version erfordert sogar 62 Monate.
Ausführliche Antwort
Die Appellation entstand praktisch mit einem einzigen Produzenten: Clemente Santi, dessen Schwiegersohn Ferruccio Biondi-Santi in den 1860er Jahren begann, Sangiovese solo (statt der damals üblichen Mischung) zu vinifizieren. Das erste offizielle Brunello-Jahr war 1888 – eine Flasche dieses Jahrgangs wurde 1999 noch verkostet und als lebendig befunden, was die legendäre Lagerfähigkeit des Weins dokumentiert. Montalcino liegt 40 km südlich von Siena und umfasst heute 3.500 Hektar DOCG-Fläche sowie 500 Hektar Rosso di Montalcino (die Zweitwein-DOC, jüngere Reben oder nicht Brunello-tauglich).
Die klimatischen und geologischen Bedingungen sind außergewöhnlich: Montalcino liegt auf einem 564 m hohen Hügel im Regenschatten des Monte Amiata (1.738 m), was es zu einer der trockensten Weinbauzonen der Toskana macht mit nur 650 mm Jahresniederschlag. Die Rebsorte Sangiovese Grosso (lokal Brunello) unterscheidet sich von anderen Sangiovese-Klonen durch größere Beeren und dickere Schalen, was mehr Tannine und Lagerfähigkeit ergibt. Die Böden variieren radikal je nach Seite des Hügels: nordwestliche Hänge mit Galestro (Schieferton) produzieren elegantere Weine (Casanova di Neri, Le Macioche); südliche Hänge mit Calcare (Kalkstein) und wärmeren Expositionen ergeben kraftvollere Gewächse (Sant'Antimo, Castelgiocondo).
Die Reifevorschriften sind die strengsten Italiens: 50 Monate gesamt, 24 Monate in Eichenfässern (meist große slawonische Eiche, aber Barriques zunehmend). Eine Unterkategorie Riserva verlangt 62 Monate Reifung und wird nur aus den besten Jahrgängen vermarktet. Das Konsortium klassifiziert Jahrgänge nach Sternen (1 bis 5), wobei 2010, 2015, 2016 und 2019 als Fünf-Sterne-Jahrgänge gelten. Wenig bekannt: Der Brunellopoli-Skandal von 2008 erschütterte die Appellation: Italienische Ermittler entdeckten, dass einige Produzenten illegal Cabernet Sauvignon und Merlot zugemischt hatten, obwohl nur 100 % Sangiovese erlaubt ist. 20 Millionen Liter wurden beschlagnahmt, mehrere Spitzenproduzenten inklusive Banfi in Ungnade fielen. Nach diesem Skandal wurde 2010 per Abstimmung entschieden, bei der 100-%-Regel zu bleiben – die Traditionalisten setzten sich gegen die Modernisten durch. Das Preisniveau der Top-Brunelli liegt bei Biondi-Santi Riserva mittlerweile bei 400–700 Euro für aktuelle Jahrgänge.