Was ist ein Cornas-Wein?
Kurze Antwort
Cornas ist eine kleine Rotweinappellation der nördlichen Rhône, die ausschliesslich aus Syrah vinifiziert wird. Die 1938 anerkannte AOC umfasst nur 145 Hektar und produziert einige der kräftigsten und langlebigsten Syrahs Frankreichs auf steilen Granitterrassen.
Ausführliche Antwort
Cornas liegt am rechten Rhône-Ufer, etwa 90 Kilometer südlich von Lyon, und ist die südlichste der nördlichen Rhône-Appellationen. Der Name stammt aus dem Keltischen "kornos" und bedeutet "verbrannte Erde" – eine treffende Beschreibung für das Mikroklima der Appellation, das dank der Windabschottung durch das Vivarais-Massiv und der südlichen Hangausrichtung zu den wärmsten der nördlichen Rhône zählt. Die Rebstöcke wachsen auf steilen, terrassierten Hängen (40 bis 50 Prozent Steigung) aus verwittertem Granit, teilweise auf Gneis und Schiefer. Die meisten Parzellen werden manuell bewirtschaftet – Maschinen sind unmöglich einzusetzen.
Im Gegensatz zu den nördlichen Rhône-Nachbarn Côte-Rôtie (wo 20 Prozent Viognier zugegeben werden können) oder Saint-Joseph und Hermitage (wo bis 15 Prozent Marsanne/Roussanne erlaubt sind), schreibt das Cornas-Reglement 100 Prozent Syrah vor. Entrappen ist ebenfalls traditionell nicht praktiziert – die Spitzenwinzer vinifizieren mit ganzen Rispen, was zusätzliche aromatische Komplexität und strukturelle Frische beisteuert. Stilistisch zeigt Cornas sehr dichte, schwarzfruchtige, fast fleischige Syrahs mit Noten von Cassis, Brombeere, Oliventapenade, Lakritz, Veilchen und schwarzem Pfeffer. Die Tannine sind robust, die Säure präsent – das Lagerpotenzial reicht 20 bis 40 Jahre.
Referenzwinzer sind Auguste Clape (seit 1949, dritte Generation), Thierry Allemand (der die Biodynamik in Cornas einführte), Alain Voge und jüngere Wineries wie Domaine Vincent Paris oder Franck Balthazar. Eine wenig bekannte Tatsache: Der Jahrgang 2003, trotz seiner historischen Hitzewelle, gilt in Cornas als einer der besten des 21. Jahrhunderts – das Granitterroir und die alten Reben (teils über 80 Jahre) widerstanden der Hitze deutlich besser als in anderen französischen Regionen. Die Preise sind in den letzten 15 Jahren explodiert: Eine Flasche Thierry Allemand Reynard kostete 2005 rund 30 Euro, heute liegt sie bei 300 bis 500 Euro am Sekundärmarkt.