Was ist ein Gevrey-Chambertin?
Kurze Antwort
Gevrey-Chambertin ist eine renommierte Rotwein-Appellation der Côte de Nuits im Burgund, ausschliesslich aus Pinot Noir vinifiziert. Sie umfasst rund 410 Hektar und beherbergt mit neun Grands Crus – darunter Chambertin und Chambertin-Clos de Bèze – mehr als jede andere Burgunder Gemeinde.
Ausführliche Antwort
Gevrey-Chambertin liegt am nördlichen Ende der Côte de Nuits und verdankt seinen Doppelnamen einem napoleonischen Dekret von 1847, das es den Dörfern erlaubte, den Namen ihrer berühmtesten Lage anzuhängen. Die Appellation wurde 1936 als AOC anerkannt und gliedert sich hierarchisch in Regional-, Village-, Premier-Cru- und Grand-Cru-Weine. Insgesamt sind 26 Premiers Crus und neun Grands Crus klassifiziert, was die Gemeinde zur kronenreichsten des gesamten Burgund macht.
Die Böden sind geologisch bemerkenswert heterogen: Kalkstein aus dem Bajocium und Bathonium wechselt mit Mergeln, während der berühmte Combe de Lavaux kolluviale Schwemmkegel mit hohem Steinanteil ablagert. Die Lage Clos Saint-Jacques, obwohl nur als Premier Cru klassifiziert, erzielt regelmässig Grand-Cru-Preise – ein ungeschriebenes Geheimnis der Region, das Kenner seit Jahrzehnten ausnutzen. Weniger bekannt ist, dass der Chambertin Napoleon Bonapartes Lieblingswein war, den er angeblich täglich in verdünnter Form trank.
Stilistisch zeichnen sich Gevrey-Chambertin-Weine durch Struktur, Tiefe und ein ausgeprägtes Lagerpotenzial aus. Junge Weine zeigen Noten von Kirsche, Himbeere und Veilchen, während gereifte Flaschen Trüffel, Unterholz und Wildaromen entwickeln. Die Tannine sind typischerweise kräftiger als in südlicheren Burgunder Appellationen, die Säure bleibt durch den kühleren Charakter der Parzellen präsent. Grand-Cru-Weine wie Latricières-Chambertin oder Mazis-Chambertin verfügen über ein Reifepotenzial von 20 bis 40 Jahren.