expertvin
·Information

Was ist ein Pomerol?

Kurze Antwort

Pomerol ist eine prestigeträchtige Appellation im rechten Bordeaux-Ufer, bekannt für ihre Merlot-dominierten Rotweine auf eisenhaltigem Lehm-Kies-Boden. Ungewöhnlich: Pomerol besitzt als einzige bedeutende Bordeaux-Appellation keine offizielle Klassifikation – trotzdem zählen Pétrus, Le Pin und Lafleur zu den teuersten Weinen der Welt.

Ausführliche Antwort

Pomerol ist mit nur 813 Hektar die kleinste der bedeutenden Bordeaux-Appellationen und zerfällt in rund 150 Weingüter mit durchschnittlichen Flächen von nur 5–7 Hektar – deutlich kleiner als die Médoc-Châteaus mit 40–100 ha. Die berühmteste Domäne, Château Pétrus, umfasst nur 11,5 Hektar und produziert rund 30.000 Flaschen jährlich bei einem Flaschenpreis, der ab 3.500 Euro für aktuelle Jahrgänge beginnt und bei älteren Spitzenjahrgängen 15.000 Euro übersteigt.

Der geologische Untergrund erklärt den einzigartigen Stil: Das Herzstück Pomerols liegt auf einer Hochebene namens Plateau de Pomerol (nur 40 m ü. NN, aber für Bordeaux-Verhältnisse erhöht), wo eiserreiche blau-graue Tonlagen (crasse de fer, wörtlich Eisenschorf) den Untergrund bilden. Diese Böden, reich an Eisenoxiden, geben den Weinen eine seidige Textur, erdige Noten von Trüffel und einen unverwechselbaren mineralischen Unterton. Pétrus liegt auf dem höchsten Punkt dieser Tonlagen (40 m), umgeben von den ebenfalls Top-Châteaus Vieux Château Certan, La Conseillante, L'Évangile und Trotanoy.

Die Rebsortenzusammensetzung ist einzigartig: Merlot dominiert mit 75–95 % (bei Pétrus 100 %), ergänzt durch Cabernet Franc (bei Vieux Château Certan bis zu 30 %) und kaum Cabernet Sauvignon. Die Böden sind für späte Cabernet Sauvignon-Reife zu kalt – die Ton-Dominanz kühlt die Reben und verzögert die Reife. Das fehlende Klassifikationssystem ist historisch begründet: Pomerol wurde 1855 schlicht ignoriert, weil es damals als bäuerliche Zone ohne Prestige galt. Der Aufstieg kam spät – Pétrus wurde erst ab den 1940ern unter Madame Loubat und dem Negotianten Jean-Pierre Moueix international vermarktet. Wenig bekannt: Le Pin, das heute zu den teuersten Weinen der Welt zählt (Auktionspreise über 7.000 Euro/Flasche), umfasst gerade einmal 2,7 Hektar – der gesamte Jahrgang passt auf einen einzigen Lastwagen. Jacques Thienpont erwarb das Gut 1979 für umgerechnet 70.000 Euro; heute wird sein Wert auf über 150 Millionen Euro geschätzt.

Available in

FAQ