Was ist ein Premier Cru in Burgund?
Kurze Antwort
Ein Premier Cru ist in Burgund eine klassifizierte Einzellage (Climat) einer Village-Gemeinde, die zwischen Village und Grand Cru rangiert. Es existieren rund 640 Premiers Crus in Burgund, die 10 % der Produktion ausmachen. Die Parzellen sind auf den besten Hanglagen der Côte d'Or und Côte Chalonnaise lokalisiert.
Ausführliche Antwort
Das burgundische Klassifikationssystem wurde 1936 mit der AOC-Einführung formalisiert, aber die Hierarchie zwischen den einzelnen Lagen ist deutlich älter: Die Zisterziensermönche der Abtei Cîteaux identifizierten bereits im 12. Jahrhundert die besten Parzellen, oft per Verkostung von Erde oder durch systematische Observation der Reifungsunterschiede. Die moderne Pyramide umfasst vier Ebenen: Régionale (Bourgogne, Mâcon – rund 50 % der Produktion), Village (36 %), Premier Cru (10 %) und Grand Cru (1,5 %).
Premiers Crus werden immer als Climat bezeichnet und erscheinen auf dem Etikett in einem spezifischen Format: Gemeinde 1er Cru + Climat-Name (z. B. Gevrey-Chambertin 1er Cru Clos Saint-Jacques). Wird nur die Gemeinde mit der Bezeichnung 1er Cru ohne Climat-Namen genannt (z. B. Meursault 1er Cru), handelt es sich um eine Cuvée aus mehreren Premier-Cru-Parzellen des Gutes. Die Größe variiert enorm: Von winzigen Parzellen wie Clos des Fèves in Beaune (1,1 ha) bis zu ausgedehnten Climats wie Chaffots in Morey-Saint-Denis (mehrere Hektar). Viele Premiers Crus sind fragmentiert auf Dutzende Eigentümer, entsprechend der französischen Erbschaftsregelung (Code Napoléon).
Die qualitative Hierarchie zwischen Premiers Crus ist inoffiziell, aber markant. Einige Premiers Crus erreichen qualitativ Grand-Cru-Niveau und werden entsprechend bepreist: Chambolle-Musigny 1er Cru Les Amoureuses (oft teurer als viele Grands Crus), Gevrey-Chambertin 1er Cru Clos Saint-Jacques (historisch als inoffizieller Grand Cru betrachtet), Volnay 1er Cru Clos des Chênes, Meursault 1er Cru Perrières und Puligny-Montrachet 1er Cru Les Pucelles. Wenig bekannt: Die 1.247 Climats der Côte d'Or wurden 2015 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt – als einzigartiges Beispiel für die jahrhundertealte Verbindung zwischen Boden, Lage und Wein. Die Initiative wurde von Aubert de Villaine (Co-Eigentümer der Domaine de la Romanée-Conti) persönlich geführt. Die Climat-Grenzen stammen aus mittelalterlichen Katasterkarten, die heute noch weitgehend unverändert sind – einige Grenzlinien entsprechen exakt den Parzellenteilungen der Zisterzienser von 1150.