Was ist ein reinsortiger Wein (Monocépage)?
Kurze Antwort
Ein reinsortiger Wein (monocépage oder single-varietal) wird ausschließlich aus einer einzigen Rebsorte hergestellt. In der EU darf er die Rebsorte auf dem Etikett nennen, wenn mindestens 85 % aus dieser Sorte stammen. Klassische Beispiele sind Burgunder (Pinot Noir, Chardonnay), Riesling und Barolo (100 % Nebbiolo).
Ausführliche Antwort
Die Tradition reinsortiger Weine ist regional unterschiedlich stark verankert. Deutschland, Burgund, Piemont (Barolo, Barbaresco) und das Elsass sind klassische Regionen für Monocépage-Weine. In Deutschland sind rund 85 % aller Qualitätsweine reinsortig, allen voran Riesling (fast ausschließlich rein vinifiziert), Weißburgunder, Grauburgunder, Silvaner und Spätburgunder. Die Etikettierung muss präzise sein: Wenn ein Jahrgang oder eine Sorte auf dem Etikett steht, müssen mindestens 85 % daraus stammen, wobei Deutschland in der Realität oft 100 % fordert.
Das Burgund ist das Paradebeispiel für Monocépage-Terroir-Expression. Pinot Noir und Chardonnay werden fast ausschließlich reinsortig ausgebaut, weil der Fokus auf der Parzelle (climat), nicht auf der Rebsorte liegt. Ein Chambertin Grand Cru und ein Corton Grand Cru sind beide reine Pinot Noirs, aber sie sollen ihr jeweiliges Terroir transportieren. Dieselbe Logik gilt für Weißburgunder: Meursault und Puligny-Montrachet sind 100 % Chardonnay, aber stilistisch fundamental unterschiedlich.
Am anderen Ende des Spektrums stehen klassische Blend-Regionen. Bordeaux, Champagne, Rhône und Priorat basieren auf Assemblage. Ein reinsortiger Cabernet Sauvignon ist in einem Bordeaux-AOC kaum möglich. Aber auch in Bordeaux gibt es Ausnahmen: Château Tertre Roteboeuf macht praktisch 100 % Merlot, Château La Croix Figeac auch. In Kalifornien und Australien sind reinsortige Cabernet Sauvignons und Chardonnays Standard, weil die angelsächsische Weinkultur stärker rebsortenorientiert ist als die europäische terroirorientierte.
Ein wenig bekannter Aspekt: Die 85-%-Regel der EU erlaubt Winzern, bis zu 15 % einer anderen Sorte zu verschneiden, ohne den Rebsortennamen zu verlieren. Das wird bewusst genutzt: Ein Pinot Noir kann durch 10 % Gamay Frische gewinnen, ein Chardonnay durch 5 % Aligoté Säure. In den USA liegt die Schwelle sogar bei 75 %. In Deutschland ist die Praxis strenger: Große VDP-Weingüter vinifizieren ihre Grosses Gewächs (GG) stets 100 % reinsortig, um maximale Sortenexpression zu erreichen. Eine interessante Kuriosität: Barolo und Barbaresco müssen gesetzlich 100 % Nebbiolo sein, während ein Piemont DOC Nebbiolo nur 85 % erfordert.