Was ist ein veganer Wein?
Kurze Antwort
Ein veganer Wein wird ohne tierische Schönungsmittel hergestellt. Statt Eiweiß, Gelatine, Hausenblase oder Kasein werden pflanzliche oder mineralische Alternativen wie Erbsenprotein, Bentonit oder Kieselsol verwendet.
Ausführliche Antwort
Wein ist nicht automatisch vegan, auch wenn die Trauben pflanzlich sind. Die Klärung des Weines erfolgt traditionell mit tierischen Schönungsmitteln, die dem Wein zugesetzt werden, um suspendierte Partikel zu binden. Die klassischen Schönungsmittel umfassen Eiweiß (Albumin aus Hühnereiern, vor allem für Bordeaux-Rotweine), Gelatine (aus Schweine- oder Rinderhaut, für die Tannin-Modulation), Hausenblase (Ichthyocolle, aus Fischblasen des Störs, sehr effektiv für Weißweine und Champagner), Kasein (Milchprotein, für Weißweine gegen Oxidation) und selten Blut (in Frankreich seit 1997 verboten, in anderen Ländern bis 2000 noch praktiziert). Obwohl diese Mittel nach der Filtration entfernt werden, gelten sie als "nicht-vegan" nach den Standards der Vegan Society.
Vegane Alternativen existieren in drei Kategorien: pflanzlich (Erbsenprotein, Kartoffelprotein, Weizenprotein, Pilzprotein), mineralisch (Bentonit – ein Tonmineral aus dem vulkanischen Tuff von Wyoming oder Sardinien; Kieselsol – kolloidale Kieselsäure; Aktivkohle für Farbkorrektur) und synthetisch (Polyvinylpolypyrrolidon oder PVPP für Entbitterung, obwohl kontrovers). Die Wirksamkeit variiert: Bentonit eignet sich hervorragend für Proteine in Weißweinen und ist heute die dominierende Methode; Erbsenprotein ersetzt zunehmend Gelatine in Premium-Rotweinen, auch wenn der Effekt auf Tannin-Modulation subtiler ist.
Die Zertifizierung vegane Weine erfolgt durch offizielle Organisationen. Das V-Label (Vegan Society, UK) und das "Vegan" Label der European Vegetarian Union sind die gebräuchlichsten. In Deutschland ist zusätzlich das Siegel "Vegan Blume" verbreitet. Die Anteile wachsen: 2024 sind in Deutschland etwa 15 bis 20 % aller Neu-Abfüllungen vegan zertifiziert, in Österreich ähnlich, in Frankreich langsamer bei 8 bis 12 %. Wenig bekannt: Manche Weine sind de facto vegan, ohne es anzugeben. Das sind Weine, die komplett unfiltriert und ungeschönt abgefüllt werden – eine Praxis, die in der Naturwein-Szene verbreitet ist. Ein Radikon Ribolla Gialla oder ein Cornelissen Munjebel sind faktisch vegan, auch wenn sie keine Zertifizierung tragen. Die Biodynamie-Zertifizierung Demeter schließt tierische Schönung nicht aus – manche biodyn Weingüter wie Leflaive verwenden weiterhin Eiweiß. Die Kommunikation um vegane Weine hat in den letzten fünf Jahren exponentiell zugenommen, parallel zur allgemeinen veganen Bewegung in der Gastronomie.