Was ist ein Vin de Pays (Landwein)?
Kurze Antwort
Ein Vin de Pays (seit 2009 offiziell IGP, Indication Géographique Protégée) ist ein Landwein mit geographischer Herkunftsangabe, der unterhalb der AOP-Stufe, aber oberhalb des einfachen Tafelweins steht. Er bietet Winzern mehr Flexibilität bei Rebsorten und Ertrag, verlangt aber weiterhin die Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards.
Ausführliche Antwort
Die französische Weinhierarchie umfasst drei Stufen: Vin de France (ehemals Vin de Table, ohne geographische Angabe), IGP/Vin de Pays (regionale Herkunft, rund 75 Appellationen) und AOP/AOC (strengste Herkunftsbezeichnung, rund 360 Appellationen). Die IGP-Kategorie entstand 1968 und wurde 2009 durch die EU-Harmonisierung der Qualitätsstufen (g.U./g.g.A.) neu gefasst. Die drei IGP-Hauptebenen sind regional (z. B. Pays d'Oc, umfasst ganz Languedoc-Roussillon), departemental (z. B. Vin de Pays de l'Aude) und Zone-spezifisch (z. B. Vin de Pays des Sables du Golfe du Lion).
Der Pays d'Oc ist mit 6 Millionen Hektoliter Jahresproduktion die größte IGP Frankreichs und stellt rund 80 % aller französischen Rebsorten-Weine (mit Rebsortenangabe auf dem Etikett) her. Diese Kategorie erlaubt internationale Rebsorten wie Chardonnay, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon oder Merlot, die in den traditionellen Appellationen oft verboten sind. Diese Flexibilität hat den Languedoc-Roussillon in den 1990er Jahren revolutioniert und zu einem Qualitätssprung geführt.
Die Qualitätsanforderungen der IGP sind weniger streng als die der AOP, aber nicht unerheblich: maximale Erträge (oft 90 hl/ha gegenüber 45–55 hl/ha bei AOP), zulässige Rebsorten, Mindestalkoholgehalt und organoleptische Prüfung vor dem Verkauf. Die Lockerung erlaubt es Winzern jedoch, neue Rebsorten auszuprobieren oder Assemblagen zu machen, die in AOPs verboten wären. Manche Winzer verzichten bewusst auf die AOP-Klassifizierung, weil sie deren Vorschriften als Einengung empfinden – bekannt ist etwa Château de Valandraud in Bordeaux, dessen Spitzenwein zeitweise nur als Vin de Table vermarktet wurde.
Ein wenig bekannter Aspekt: Einige der berühmtesten Weine Frankreichs sind IGP, nicht AOP. Vin de Pays des Côtes de Thongue, Vin de Pays d'Oc von Mas de Daumas Gassac (300+ Euro die Flasche!) oder die IGP-Weine von Grange des Pères in Languedoc sind international gefragt und teurer als viele Grand Crus. Die Klassifikation ist also nicht zwangsläufig ein Qualitätsindikator, sondern eine rechtliche Einordnung. In der italienischen Nomenklatur heißt das Pendant IGT (Indicazione Geografica Tipica) – auch hier finden sich Spitzenweine wie Sassicaia (1994 schließlich zur DOC-Bolgheri-Sassicaia erhoben).