Was ist ein Wein von der Loire?
Kurze Antwort
Ein Loire-Wein stammt aus dem 1.006 km langen Flusstal zwischen Nantes und Orléans, das 51 Appellationen auf rund 57.000 Hektar vereint. Die Region ist bekannt für Sauvignon Blanc (Sancerre, Pouilly-Fumé), Chenin Blanc (Vouvray, Savennières), Cabernet Franc (Chinon, Bourgueil) und Muscadet aus Melon de Bourgogne.
Ausführliche Antwort
Das Loire-Tal ist Frankreichs drittgrößte Weißweinregion und produziert die stilistisch breiteste Palette des Landes – von knochentrockenem Muscadet sur lie bis zu edelsüßen Quarts de Chaume mit 200+ g Restzucker. Die UNESCO erklärte 2000 das Tal zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes zum Weltkulturerbe, nicht zuletzt wegen der Weinbautradition, die bis in die Römerzeit und zu den karolingischen Klöstern des 8. Jahrhunderts zurückreicht.
Geografisch teilt sich die Region in vier Subregionen: Pays Nantais (atlantisch, Muscadet-AOC), Anjou-Saumur (Übergangsklima, Chenin Blanc), Touraine (kontinental, Sauvignon und Cabernet Franc) und Centre-Loire mit Sancerre und Pouilly-Fumé auf den kimmeridgischen Kalkmergeln, geologisch identisch mit dem Chablis 100 km östlich. Diese geologische Verwandtschaft erklärt die stilistische Nähe mancher Sancerre-Chardonnays (selten produziert) zu Chablis.
Besonders bemerkenswert ist Chenin Blanc, die flexibelste weiße Rebsorte Frankreichs: Sie produziert trockene Weine (Savennières), halbtrockene (Vouvray demi-sec), süße Weine (Coteaux du Layon) und Schaumweine (Crémant de Loire, Vouvray mousseux) – alles aus derselben Rebsorte. Die Loire ist zudem das epizentrum der französischen Bio- und Biodynamie-Bewegung: Nicolas Joly (Coulée de Serrant) begann 1980 mit Biodynamie, heute sind rund 15 % der Loire-Fläche biozertifiziert, weit über dem nationalen Durchschnitt von 9 %. Wenig bekannt: Muscadet sur lie wird mindestens bis zum 1. März des Folgejahres auf der Feinhefe gelagert – eine der wenigen AOCs weltweit mit verbindlicher Hefelager-Vorschrift für Stillweine.