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Was ist Korkgeschmack (TCA) und wie entsteht er?

Kurze Antwort

Korkgeschmack, fachlich TCA genannt, wird durch das Molekül 2,4,6-Trichloranisol verursacht, das bei Kontakt von Chlorverbindungen mit Holzpilzen im Naturkork entsteht. Bereits 1,5 Nanogramm pro Liter genügen, um dem Wein muffig-feuchte Kartonnoten zu verleihen.

Ausführliche Antwort

TCA entsteht durch enzymatische O-Methylierung von 2,4,6-Trichlorphenol durch filamentöse Pilze wie Armillaria mellea, Trichoderma und Aspergillus, die in Korkrinde, Holzpaletten, Kellerbalken oder Kartonverpackungen vorkommen. Die ursprüngliche Chlorquelle war jahrzehntelang die Bleichung von Korkplatten mit Hypochlorit, ein Verfahren, das seit den 1990er Jahren weitgehend durch Wasserstoffperoxid und Dampfreinigung ersetzt wurde. Die Belastungsrate fiel dadurch laut APCOR (portugiesische Korkvereinigung) von rund 5 % in den 1990er Jahren auf unter 0,8 % im Jahr 2025.

Ein bemerkenswerter Fakt: TCA ist nicht der einzige Haloanisol-Übeltäter. Auch TBA (2,4,6-Tribromanisol, durch bromhaltige Flammschutzmittel in Paletten) und PCA (Pentachloranisol, aus Holzschutzmitteln) verursachen identische Symptome und können ganze Kellerbestände kontaminieren, ohne dass der Kork selbst betroffen ist. Das Château Montelena musste 2004 einen kompletten Keller aus Redwood-Balken entfernen, nachdem TBA-Kontamination festgestellt wurde.

Die Wahrnehmungsschwelle variiert stark: Geübte Verkoster erkennen TCA ab 1 ng/L, während ungeübte Konsumenten erst ab 5–10 ng/L reagieren. Genetische Studien der UC Davis zeigten, dass etwa 20 % der Bevölkerung eine spezifische Anosmie gegen TCA aufweisen. Alternative Verschlüsse wie Stelvin-Schraubverschluss (seit 1964 in Australien), DIAM (Mikrogranulat mit SuperCritical CO2 gereinigt) und Nomacorc (Polyethylen) haben den Markt revolutioniert: 2025 werden bereits über 30 % aller weltweit abgefüllten Weine mit Schraubverschluss versiegelt.

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