Was ist Orange Wine und warum ist er im Trend?
Kurze Antwort
Orange Wine ist Weißwein, der mit Schalenkontakt wie Rotwein vergoren wird, was ihm eine bernsteinfarbene Tönung und tanninreiche Struktur verleiht. Die jahrtausendealte Technik aus Georgien erlebt seit 2010 eine weltweite Renaissance mit jährlichem Wachstum über 30 % im Gastronomiesegment.
Ausführliche Antwort
Die Technik des Orange Wine geht auf das Qvevri-Verfahren in Georgien zurück, archäologisch datiert auf 8.000 v. Chr. (UNESCO-Weltkulturerbe seit 2013). Weiße Trauben werden mit Schalen, Kernen und teils Stielen in tönernen Amphoren (Qvevri) unter der Erde vergoren, oft für 3–6 Monate. Die verlängerte Mazeration extrahiert Phenole, Tannine und Aromen, die in klassischer Weißweinbereitung fehlen. Die Farbe variiert von Bernstein über Orange bis zu tiefem Kupfer, je nach Rebsorte (Rkatsiteli, Kakhuri Mtsvane) und Mazerationsdauer.
Die moderne Renaissance begann in der Grenzregion Friaul-Slowenien. Josko Gravner aus Oslavia (Friuli) stellte 1997 auf Qvevri-Bereitung um und revolutionierte die Ribolla Gialla. Stanko Radikon folgte 1995 mit seinem Manifest gegen Sulfite und moderne Önologie. Sascha Radikon, Damijan Podversic, Miha Batic und Valter Mlecnik bilden heute die „Friulisch-Slowenische Schule“ der Orange Wines. Ein wenig bekannter Fakt: Die Bezeichnung „Orange Wine“ wurde 2004 von David A. Harvey, einem britischen Weinhändler, geprägt und setzte sich gegen das italienische „vino macerato“ durch. Die französischen Winzer bezeichnen dasselbe Produkt als „vin de macération“.
Der Trend ist statistisch belegbar. Sales-Daten von Master Sommelier Raj Parr zeigen 2024 einen Zuwachs von 340 % seit 2015 in den USA. In Frankreich führt die Foire aux Vins de Printemps 2025 Orange Wine als Trendkategorie. Die geschmackliche Komplexität (Aprikose getrocknet, Honig, Nuss, Bergamotte, Kurkuma) und die Pairing-Vielseitigkeit (von indischem Curry zu japanischem Umami) machen Orange Wine zum Darling der Sommelier-Gemeinde. Die Rebsorten-Bandbreite ist breit: Friaulisch (Ribolla Gialla, Malvasia Istriana, Friulano), georgisch (Rkatsiteli, Mtsvane), österreichisch (Grüner Veltliner), deutsch (Riesling, Grauburgunder). In Belgien sind Orange Wines Teil jeder modernen Weinkarte: Titulus Brüssel führt 15 Positionen, The Diogenes 22. Die rechtliche Situation: EU-Verordnung 2019/33 anerkennt „Orange Wine“ seit 2021 als legitime Weinkategorie, was Exportkennzeichnung vereinfacht.