Was ist Pinot Grigio beziehungsweise Pinot Gris?
Kurze Antwort
Pinot Grigio und Pinot Gris bezeichnen dieselbe weiße Rebsorte, eine farbmutierte Variante von Pinot Noir. Der Name variiert mit dem Stil: Pinot Grigio (Italien) ist meist trocken, leicht und säurebetont, während Pinot Gris (Elsass) vollmundiger, mit mehr Restzucker und Aromen von Birne, Honig und Rauch präsentiert wird.
Ausführliche Antwort
Genetisch ist Pinot Gris eine Farbmutation von Pinot Noir, entstanden vermutlich im Burgund im Mittelalter. Die Beerenhaut zeigt eine charakteristische graublaue bis rosa-bräunliche Färbung (daher "gris" = grau), mit Anthocyangehalten von nur 10 bis 15 % von Pinot Noir, was auf einen oft gekelterten Weißwein mit leichter bronze-goldener Tönung hinweist. In seltenen Fällen wird Pinot Gris auch als Rosé oder sogar als "Ramato" (leicht kupferfarbig, traditioneller Stil in Friaul) ausgebaut.
Die weltweite Rebfläche umfasst über 60.000 Hektar. Italien ist mit 25.000 Hektar der größte Produzent, hauptsächlich in Trentino-Alto Adige, Friuli-Venezia Giulia und Venetien. Die Appellation Pinot Grigio delle Venezie DOC, 2017 geschaffen, umfasst drei Regionen und produziert allein rund 200 Millionen Flaschen pro Jahr, was die internationale Bekanntheit der Rebsorte erklärt.
Ein oft übersehenes Detail: Im Elsass zählt Pinot Gris zu den vier "Cépages Nobles" und darf Grand-Cru-Lagen bestücken. Auf den Granit-, Kalk- und Schieferböden der über 50 Grand Crus zeigt er eine andere Identität: höherer Alkoholgehalt (13 bis 14 %vol), dichtere Textur, häufig leicht süße Restzucker (bis zu 9 g/l bei trockenen Versionen, wesentlich mehr bei Vendanges Tardives oder Sélection de Grains Nobles), und Aromen von Birne, Honigwaben, geröstetem Toast, Rauch und in gereifteren Weinen Pilznoten.
Ein bemerkenswertes Detail: Pinot Gris wird auch unter dem Namen Grauburgunder in Deutschland (6.000 Hektar, hauptsächlich Pfalz und Baden), Szürkebarát in Ungarn (wo er bereits seit dem 14. Jahrhundert kultiviert wird) und Ruländer in Deutschland (historischer Name nach dem Händler Johann Seger Ruland, der 1711 die Sorte in Speyer entdeckte) geführt. Die moderne deutsche Produktion hat sich stilistisch diversifiziert: Die trockenen Grauburgunder der Pfalz wie vom Weingut Ökonomierat Rebholz zeigen cremige Textur und kalkige Mineralität bei 12,5 bis 13,5 %vol, während Baden-Produzenten wie Dr. Heger barrique-gereifte Versionen mit Reifepotenzial von 10 bis 15 Jahren erzeugen.