Was ist Sangiovese und welche toskanischen Weine prägt er?
Kurze Antwort
Sangiovese ist die meistangebaute Rotweinsorte Italiens und das Rückgrat der toskanischen Klassiker Chianti, Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano. Typisch sind Sauerkirsche, Pflaume, getrocknete Kräuter, feste Säure und kernige, leicht rustikale Tannine.
Ausführliche Antwort
Der Name Sangiovese stammt etymologisch vom lateinischen "sanguis Jovis" (Blut des Jupiter) und wird bereits in einem Dokument von 1590 des toskanischen Agronomen Giovanvettorio Soderini erwähnt. Mit rund 71.000 Hektar umfasst er etwa 10 % der italienischen Rebfläche. DNA-Analysen bestätigten 2004, dass Sangiovese eine natürliche Kreuzung aus Ciliegiolo und der süditalienischen Sorte Calabrese Montenuovo ist.
Eine entscheidende Besonderheit: Die Sorte weist eine enorme klonale Vielfalt auf, mit über 130 offiziell registrierten Klonen. In Montalcino dominiert der großtraubige Klon BBS 11, in Chianti Classico der feinere Sangioveto. Diese Variabilität erklärt die stilistische Bandbreite zwischen leichten, süffigen Chianti und monumentalen Brunello-Weinen, die laut DOCG-Vorschrift zu 100 % aus Sangiovese bestehen müssen und vor Markteinführung 50 Monate reifen, davon 24 in Eichenfässern.
Im sensorischen Profil zeigt Sangiovese klassisch helle Rubinfarbe, moderate Extraktdichte, Aromen von Sauerkirsche, Zwetschge, Lorbeer, Teeblatt und Tabak. Die Gesamtsäure liegt bei 6 bis 7 g/l, der Alkohol meist zwischen 13 und 14 %vol. Die dünne Beerenhaut macht die Traube anfällig für Mehltau und erfordert warme, trockene Lagen wie die Galestro- und Alberese-Böden des Chianti Classico.
Die berühmten Super Toscans der 1970er Jahre wie Sassicaia, Tignanello und Solaia revolutionierten das Image der Rebsorte, indem sie Sangiovese mit Cabernet Sauvignon verschnitten und im Barrique ausbauten, teilweise außerhalb der damaligen DOC-Vorschriften. Heute profitiert die Sorte von besserem Klonmaterial, Grünlese und modernerer Kellertechnik und erreicht Lagerpotenziale von 15 bis 30 Jahren bei Spitzenexemplaren.