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Was ist Syrah bzw. Shiraz?

Kurze Antwort

Syrah und Shiraz bezeichnen dieselbe Rebsorte – Syrah ist der französische Name (Rhône-Ursprung), Shiraz der australische. DNA-Analysen bestätigten 1998 die genetische Identität der beiden. Die Sorte produziert kraftvolle Rotweine mit Aromen von Brombeere, schwarzem Pfeffer, Veilchen, Leder und geräuchertem Fleisch.

Ausführliche Antwort

Die Herkunft der Syrah wurde lange mytisch verklärt: Die persische Stadt Shiraz, der sizilianische Ort Syrakus oder ein ägyptischer Ursprung wurden diskutiert. 1998 entschlüsselten Carole Meredith (UC Davis) und Jean-Michel Boursiquot die wahre Genetik: Syrah entstand durch eine spontane Kreuzung zwischen Dureza (einer Männerrebe aus der Ardèche) und Mondeuse Blanche (einer weißen Sorte aus Savoyen). Die Sorte hat also einen rein französischen Alpen-Ursprung, keine exotische Abstammung.

Der Shiraz-Name kam mit den britischen Siedlern nach Australien im 19. Jahrhundert. Die ersten Reben wurden 1832 von James Busby aus Südfrankreich nach Barossa Valley gebracht – einige dieser Reben sind heute noch produktiv. Die Barossa-Reben gelten als die ältesten kontinuierlich bewirtschafteten Syrah-/Shiraz-Reben der Welt, da Australien nie von der Reblaus befallen wurde. Der Penfolds Grange, seit 1951 Australiens ikonischer Shiraz, besteht zu 96–100 % aus Shiraz von Reben, die teilweise über 150 Jahre alt sind.

Stilistisch divergieren Syrah und Shiraz radikal: Die nördliche Rhône produziert auf Granitschiefer (Côte-Rôtie, Hermitage, Cornas) strukturierte, säurebetonte Weine mit Schwarzfrucht, Speck, Pfeffer und Veilchennoten – lagerfähig 20–40 Jahre. Die australischen Barossa- und McLaren-Vale-Shiraz sind üppig, konzentriert, alkoholreich (15–16 % vol.) mit Aromen von Eukalyptus, Schokolade, Pflaumenmarmelade und oft amerikanischer Eiche. Der Pfefferaromen-Schlüssel ist das 2008 identifizierte Molekül Rotundon, ein Sesquiterpen, das in kühlen Rhône-Lagen und in bestimmten Shiraz-Lagen (Heathcote in Victoria) besonders hoch konzentriert ist. Wenig bekannt: Syrah ist eine der Rebsorten, die am sensibelsten auf Anbauhöhe und Expositionswahl reagiert – in derselben nördlichen Rhône produzieren Côte Brune (eisenhaltiger Boden, nordwestliche Exposition) und Côte Blonde (kalkhaltig, südliche Exposition) von Côte-Rôtie markant unterschiedliche Weine. Die Tradition des "Blonden vs. Brünetten"-Cuvée geht auf zwei Töchter des Grafen Maugiron aus dem 17. Jahrhundert zurück, deren Haarfarben legendär die beiden Hänge benannten.

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