Was ist Viognier und was macht seine Aromatik so besonders?
Kurze Antwort
Viognier ist eine weiße Rebsorte aus dem nördlichen Rhonetal, bekannt für ihre intensive Aromatik von Aprikose, weißem Pfirsich, Geißblatt und Veilchen. Die Weine sind vollmundig, alkoholreich und besitzen meist nur moderate Säure, mit öliger Textur und langem Abgang.
Ausführliche Antwort
Der Viognier war Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben: 1965 waren in Condrieu, der historischen Heimatregion, nur noch 14 Hektar Rebfläche erhalten. Dank des Engagements von Winzern wie Georges Vernay, der oft als "Retter des Viognier" bezeichnet wird, und der aufkommenden internationalen Nachfrage umfasst die weltweite Fläche heute wieder über 15.000 Hektar, darunter bedeutende Anbauflächen in Kalifornien (Central Coast), Australien (Eden Valley) und Südfrankreich.
Genetisch ist Viognier eng verwandt mit dem piemontesischen Freisa und damit indirekt mit Nebbiolo, wie DNA-Analysen der Universität Mailand 2004 zeigten. Seine sprichwörtliche Komplexität beim Anbau erklärt sich durch eine sehr schmale Erntezeitspanne: Zu früh gelesen ergibt er neutrale, säurebetonte Weine; zu spät gelesen verliert er Säure und wird plump mit Alkoholwerten über 15 %vol.
Die Appellation Condrieu AOC umfasst 197 Hektar an den steilen Terrassen der rechten Rhoneseite und kennt als einzige Frankreichs die ausschließliche Zulassung von Viognier. Der Grand Cru Château-Grillet mit nur 3,5 Hektar ist eine der kleinsten Appellationen Frankreichs und seit 2011 im Besitz der Familie Pinault (Artémis Domaines).
Eine Besonderheit des nördlichen Rhonetals: In der Appellation Côte-Rôtie dürfen bis zu 20 % Viognier der Syrah-Cuvée beigemischt werden, was Farbstabilität und Aromatik verbessert. Diese traditionelle Covinifikation wird heute auch in Barossa Valley und Kalifornien praktiziert. Viognier entfaltet seine Qualitäten optimal bei 10 bis 12 °C und harmoniert mit asiatischer Küche, Currys, weißem Fleisch mit Aprikosensoße und gereiften Ziegenkäsen. Sein Lagerpotenzial bleibt trotz der Kraft meist auf 5 bis 10 Jahre beschränkt.