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Was ist Wein eigentlich?

Kurze Antwort

Wein ist ein alkoholisches Getränk, das durch die alkoholische Gärung von frischen Weintrauben oder Traubenmost entsteht. Die Hefe wandelt dabei den natürlichen Traubenzucker in Alkohol und Kohlendioxid um. Das Ergebnis ist ein komplexes Produkt, dessen Charakter von Rebsorte, Terroir, Jahrgang und Ausbaumethode bestimmt wird.

Ausführliche Antwort

Weinrechtlich ist Wein in der EU klar definiert: Gemäß Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 darf nur das Erzeugnis, das ausschließlich durch vollständige oder teilweise alkoholische Gärung frischer, auch eingemaischter Trauben oder aus Traubenmost gewonnen wird, als Wein bezeichnet werden. Der Alkoholgehalt muss in der Regel zwischen 8,5 % und 15 % vol. liegen, wobei Ausnahmen für bestimmte Prädikatsweine und Lagenweine gelten.

Die Weinbereitung gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit: Archäologische Funde in Georgien (Schulaweri-Kultur) belegen Weinproduktion bereits um 6000 v. Chr. Erstaunlich ist, dass die verwendete Rebsorte Vitis vinifera weltweit über 10.000 dokumentierte Varietäten kennt, von denen jedoch nur rund 1.300 kommerziell angebaut werden. Deutschland allein zählt 13 Anbaugebiete und über 140 zugelassene Rebsorten.

Chemisch betrachtet ist Wein eine hochkomplexe Lösung aus über 1.000 identifizierten Verbindungen: Wasser (80–90 %), Ethanol, Glycerin, organische Säuren (Weinsäure, Äpfelsäure, Milchsäure), Polyphenole, Tannine, Mineralstoffe und flüchtige Aromastoffe. Diese Matrix bestimmt Farbe, Duft, Geschmack und Alterungspotenzial.

Wein unterscheidet sich fundamental von anderen alkoholischen Getränken wie Bier oder Spirituosen durch seinen ausschließlichen Bezug zur Traube und zum Terroir. Während Bier aus vier standardisierbaren Zutaten gebraut wird, ist jeder Wein ein Unikat seines Jahrgangs, seiner Parzelle und der Handschrift des Winzers. Diese Einzigartigkeit macht Wein zu einem Kulturgut im eigentlichen Sinne.

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