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Was sind Schönung und Filtration beim Wein?

Kurze Antwort

Schönung und Filtration sind Klärungsprozesse. Schönung bindet unerwünschte Partikel durch Zusätze (Eiweiß, Bentonit, Gelatine), Filtration entfernt sie mechanisch durch Filter (Kieselgur, Membranen, Cross-Flow).

Ausführliche Antwort

Die Klärung eines Weines ist ein zentrales Element der önologischen Präparation, das Transparenz, mikrobielle Stabilität und Haltbarkeit garantiert. Die Schönung (Collage) nutzt das Prinzip der Flockung: Ein zugesetztes Protein oder Mineral bindet sich elektrostatisch an suspendierte Partikel (Trubstoffe, überschüssige Tannine, Proteine) und bildet größere Aggregate, die durch Gravitation absinken. Die klassischen Schönungsmittel sind: Hühnereiweiß (Albumin, für Rotweine, mildert Tannine), Gelatine (aus Schweine- oder Rinderhaut, senkt Bitterstoffe), Hausenblase (Fischblase, sehr schonend für Weißweine), Bentonit (Tonmineral, entfernt Proteine), Kasein (Milchprotein, für Weißweine gegen Oxidation), Aktivkohle (für Farbkorrekturen), Silikon-Sol (moderne Alternative).

Die Filtration ist der mechanische Komplement: Der Wein wird durch Filter mit definierter Porengröße gepresst. Die Kieselgur-Filtration (Diatomeenerde) nutzt fossile Algen mit feinsten Kanälen und entfernt mittlere bis grobe Partikel (1 bis 10 Mikrometer). Die Schichtenfiltration verwendet Kartonplatten mit unterschiedlicher Dichte. Die Membranfiltration (Millipor, Sartorius) entfernt Partikel bis 0,45 oder sogar 0,2 Mikrometer – sie garantiert mikrobielle Sterilität, kann aber auch Aromen und Farbmoleküle entfernen. Die Cross-Flow-Filtration (Querstrom) zirkuliert den Wein parallel zur Filtermembran, was präzisere Kontrolle und weniger Aromaverluste ermöglicht – sie wird heute von vielen qualitätsorientierten Weingütern bevorzugt.

Die Philosophie zu Schönung und Filtration ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal: Industrielle Großproduktionen filtern aggressiv, um langzeitstabile, optisch perfekte Weine zu garantieren. Naturweingüter verzichten oft komplett auf Klärung und vermarkten ihre Weine als "ni collé ni filtré". Die Mittellinie wählt leichte Schönung und grobe Filtration vor der Flasche. Wenig bekannt: Vegane Weine verzichten auf tierische Schönungsmittel (Eiweiß, Gelatine, Kasein, Hausenblase) und verwenden stattdessen pflanzliche Alternativen wie Erbsenprotein, Kartoffelprotein oder mineralische Mittel wie Bentonit. Die Zertifizierung erfolgt durch Organisationen wie V-Label oder Vegan Society. In Frankreich sind etwa 8 bis 10 % der Weine heute offiziell vegan zertifiziert, in Deutschland über 15 %. Ein nicht-filtrierter Wein zeigt oft natürliche Sedimentation im Flaschenboden – kein Fehler, sondern ein Qualitätszeichen, das vor dem Servieren eine sorgfältige Dekantierung verlangt.

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