expertvin
·Information

Welche argentinischen und chilenischen Weine sollte man kennen?

Kurze Antwort

Argentinien ist weltweit führend bei Malbec (Mendoza, Uco Valley), produziert aber auch Cabernet, Bonarda und Torrontés (einzigartig argentinische Weißsorte). Chile glänzt mit Cabernet Sauvignon (Maipo), Carménère (einzigartig weltweit), Sauvignon Blanc (Casablanca) und Pinot Noir (Leyda, San Antonio).

Ausführliche Antwort

Argentinien und Chile sind die zwei größten südamerikanischen Weinbauländer und weisen fundamental unterschiedliche geografische Profile auf. Argentinien kultiviert Reben bis in 3.000 m Höhe im Norden (Salta, Cafayate), was Cafayate zur höchstgelegenen Weinbauregion der Welt macht. Die zentrale Region Mendoza umfasst rund 150.000 Hektar und produziert 70 % des argentinischen Weins. Die Teilregion Uco Valley (zwischen 900 und 1.700 m Höhe) gilt als qualitativer Hotspot mit extremen Temperaturunterschieden von bis zu 20 °C zwischen Tag und Nacht, was Säurestruktur und Aromenkomplexität fördert.

Malbec ist das argentinische Nationalgewächs: 1853 vom französischen Agronomen Michel Pouget aus Cahors importiert, fand die Sorte in Argentinien Bedingungen, die sie in Cahors nie erreichte. Heute stehen 76 % der weltweiten Malbec-Fläche in Argentinien (46.000 Hektar). Die Hochland-Malbecs aus Gualtallary (Uco Valley, 1.200 m) unterscheiden sich radikal von den klassischen Luján de Cuyo-Weinen auf 900 m: mehr Frische, höhere Säure, floraler Charakter. Referenzgüter: Catena Zapata, Achaval-Ferrer, Cheval des Andes, Bodega Noemía, Susana Balbo.

Chile erstreckt sich über 1.400 km Nord-Süd, aber nur 120 km Ost-West zwischen Pazifik und Anden. Diese Geografie schafft extreme klimatische Vielfalt: Von der heißen Atacama-Wüste (Elqui Valley, spezialisiert auf Syrah) bis zum kühlen Patagonien-Klima (Bío-Bío, Malleco für Pinot Noir und Riesling). Die Carménère-Geschichte ist einzigartig: Die Bordeaux-Sorte galt nach der Reblaus-Epidemie in Europa als ausgestorben, bis 1994 der französische Ampelographe Jean-Michel Boursiquot in chilenischen Merlot-Weinbergen Carménère identifizierte – die Sorte war 1850 unwissentlich mit Merlot-Stecklingen importiert worden. Heute ist Chile mit 10.700 Hektar weltweit größter Carménère-Produzent. Wenig bekannt: Der Bergbaumagnat Don Maximiano Errázuriz pflanzte bereits 1870 Cabernet Sauvignon im Aconcagua-Tal, was zu Viña Errázuriz' heutigem Spitzenwein Viñedo Chadwick führte (rund 500 Euro/Flasche). Das Apalta-Tal in Colchagua (Montes, Clos Apalta, Casa Lapostolle) gilt als chilenisches Pauillac mit konzentrierten, lagerfähigen Cabernet-Cuvées. Torrontés, die einzige Ur-argentinische Weißsorte (Kreuzung aus Criolla Chica und Muscat of Alexandria), produziert in Cafayate duftende, aromatische Weißweine mit charakteristischen Rosen- und Geranienaromen.

Available in

FAQ