expertvin
·Information

Welche Weine kommen aus dem Südwesten Frankreichs?

Kurze Antwort

Das Sud-Ouest umfasst Appellationen zwischen Bordeaux und den Pyrenäen: Cahors (Malbec), Madiran (Tannat), Jurançon (Süßweine aus Petit Manseng), Irouléguy (Baskenland), Bergerac, Monbazillac (Süßwein) und Gaillac. Die Region zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt autochthoner Rebsorten aus.

Ausführliche Antwort

Der Südwesten ist mit rund 30.000 Hektar eine mittelgroße Weinbauregion, qualitativ jedoch eine der aufregendsten Frankreichs, weil sie über 120 autochthone Rebsorten kultiviert – mehr als jede andere französische Region. Die Geschichte reicht bis in die Römerzeit, und der Weinbau florierte im Mittelalter dank der flußseitigen Lage an Garonne, Dordogne, Lot und Tarn, die den Transport nach Bordeaux und über den Atlantikhafen ermöglichte. Die Rivalität mit Bordeaux führte historisch zu benachteiligenden Regulierungen: Ab dem 13. Jahrhundert verhängte Bordeaux die Privilège des Vins de Bordeaux, die den Transit südwestlicher Weine bis nach der Bordeaux-Ernte blockierte – ein wirtschaftlicher Dämpfer für Jahrhunderte.

Cahors ist die Heimat des Malbec (lokal Côt oder Auxerrois genannt), der zu mindestens 70 % in der Cuvée vertreten sein muss. Die Rebsorte wanderte 1853 mit Michel Pouget nach Mendoza/Argentinien aus und wurde dort zum Nationalsymbol – heute stehen 76 % der globalen Malbec-Fläche in Argentinien, während Cahors selbst nur 4.300 Hektar umfasst. Der Black Wine of Cahors, historisch geschätzt wegen seiner extremen Farbtiefe, war im Mittelalter der Hochzeitswein europäischer Höfe.

Madiran kultiviert Tannat, eine der tanninreichsten Rebsorten der Welt – der Name selbst leitet sich von Tannin ab. Der französische Kardiologe Roger Corder identifizierte Madiran 2006 als eine der Weinregionen mit den höchsten Procyanidin-Werten (antioxidative Polyphenole), die statistisch mit Langlebigkeit korrelieren: Die südwestliche Gers-Region zeigt eine ungewöhnlich hohe Dichte an Hundertjährigen. Die Micro-Oxygenation – eine önologische Technik zur Tanningeschmeidigung – wurde 1991 in Madiran von Patrick Ducournau erfunden und ist heute weltweit Standard. Wenig bekannt: Die Appellation Jurançon kennt zwei radikal unterschiedliche Stile aus denselben Rebsorten (Petit Manseng, Gros Manseng): Jurançon trocken mit blitzender Säure und Jurançon Moelleux, bei dem die Trauben am Rebstock durch Passerillage (Sonnentrocknung) rosinieren. König Henri IV. wurde 1553 der Legende nach mit Jurançon-Wein auf den Lippen getauft – ein PR-Coup, der die Appellation bis heute prägt.

Available in

FAQ