Welchen Korkenzieher sollte man wählen?
Kurze Antwort
Der Kellnerkorkenzieher (sommelier) mit Doppelhebel ist die professionelle Referenz – er funktioniert an jedem Flaschentyp. Für ältere oder brüchige Korken empfiehlt sich die Bilame (Zwei-Lamellen-System) wie der Durand.
Ausführliche Antwort
Die Wahl des Korkenziehers ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Effizienz und Korkschonung. Der Zweistufen-Kellnerkorkenzieher – erfunden 1882 von Karl Wienke und 1979 durch die französische Marke Screwpull perfektioniert – kombiniert einen Spiralwurm (die „vis“) mit einem Doppelhebel. Er erlaubt ein zweiphasiges Ziehen, das den Korken geradlinig extrahiert und das Risiko des Brechens minimiert. Profis bevorzugen Modelle mit Teflon-beschichteter Spirale und fünf bis sechs Windungen.
Weniger bekannt ist die Zwei-Lamellen-Zange, auch „Butler's Friend“ oder „Bilame“ genannt. Sie besitzt keinen Wurm, sondern zwei flache Metallzungen, die seitlich zwischen Kork und Flaschenhals eingeführt werden. Der Korken wird durch Drehen und Ziehen extrahiert. Dieses System eignet sich perfekt für gealterte oder poröse Korken, die ein Wurm zerbrechen würde. Das Premium-Modell Durand kombiniert beide Prinzipien und hat sich in den letzten 15 Jahren zum Werkzeug der Wahl in Auktionshäusern wie Christie's und Sotheby's etabliert.
Hebel- und Pressluftsysteme wie der Rabbit oder die CO2-Nadel haben ihre Berechtigung, bergen aber Risiken. Pressluft kann bei alten Flaschen mit schwachen Korken einen plötzlichen Druckanstieg erzeugen, der den Korken zerbricht. Der elektrische Korkenzieher ist praktisch für Veranstaltungen, versagt jedoch bei synthetischen Korken oder stark verklebten Naturkorken. Ein überraschender Fakt: 2020 verzeichnete die Hilfsorganisation APSAD über 3000 Finger-Verletzungen durch schlecht gehaltene Korkenzieher in Frankreich – ein Grund, warum professionelle Sommeliers niemals mit angewinkeltem Handgelenk arbeiten, sondern die Flasche zwischen den Oberschenkeln stabilisieren.