Welcher Wein eignet sich zum Kochen?
Kurze Antwort
Zum Kochen immer einen trinkbaren Wein verwenden, nie einen minderwertigen "Kochwein". Für weiße Reduktionen einen trockenen Sauvignon oder Chardonnay, für rote Schmorgerichte einen tanninarmen Wein wie Côtes du Rhône oder Chianti.
Ausführliche Antwort
Das Sprichwort "Man kocht mit dem Wein, den man auch trinkt" ist chemisch fundiert: Beim Reduzieren konzentrieren sich sowohl gute als auch schlechte Aromen um Faktor 3 bis 5. Ein oxidierter, flüchtiger oder korkiger Wein ruiniert das Gericht. Der sogenannte "Vin de Cuisine", den manche Supermärkte verkaufen, enthält oft hinzugefügtes Salz (bis 10 %) und Glutamat, was für präzise Sauce-Zubereitungen ungeeignet ist. Für eine Weiße Butter (Beurre Blanc) funktioniert ein trockener Muscadet oder Sauvignon Blanc präzise: niedrige Tannine, hohe Säure (6 bis 7 g/l), moderater Alkoholgehalt (12 %). Die Säure hilft beim Emulgieren der Butter.
Für rote Reduktionen (Sauce Bordelaise, Coq au Vin, Bœuf Bourguignon) sind tanninreiche Jungweine kontraproduktiv: Beim Reduzieren werden Tannine bitter und astringierend. Ein mittelkräftiger Côtes du Rhône, ein Chianti Classico oder ein Crozes-Hermitage bietet die richtige Balance: ausreichend Säure, moderate Tannine, fruchtbetont. Für ein Bœuf Bourguignon verwenden traditionelle burgundische Köche keinen teuren Grand Cru, sondern einen einfachen Bourgogne Pinot Noir oder einen Hautes-Côtes. Das Fleisch wird über Nacht in 70 cl Wein mit Karotten, Zwiebeln, Lauch und Bouquet garni mariniert, dann langsam 3 bis 4 Stunden bei 140 °C geschmort.
Überraschend: Fortified Wines wie Madeira, Marsala oder Jerez sind in der Restaurantküche unverzichtbar. Ein trockener Madeira Sercial oder ein trockener Amontillado Sherry liefert bei der Zubereitung einer Jus (Bratensauce) Umami-Noten dank hoher Konzentration an Sotolon und Furanen. Die Molekulargastronomie (Ferran Adrià, Heston Blumenthal) nutzt diese Weine systematisch, um komplexe Jus-Tiefen zu erzeugen. Der Alkohol verdampft zwar nach 2 bis 3 Stunden Kochzeit weitgehend (unter 5 % Restalkohol nach 2,5 Stunden laut USDA), aber die aromatischen Verbindungen bleiben konzentriert.