Welcher Wein passt zu Pizza?
Kurze Antwort
Italienische Rotweine mit moderaten Tanninen und guter Säure sind die natürliche Wahl: Chianti Classico zu Margherita, Montepulciano d'Abruzzo zu Pepperoni, Nero d'Avola zu Meeresfrüchte-Pizza oder ein leichter Barbera zu Pizza bianca. Schaumweine wie Lambrusco Grasparossa bieten einen volkstümlicheren, erfrischenden Kontrapunkt.
Ausführliche Antwort
Die Pizza-Wein-Paarung variiert stark nach Belag und regionaler Herkunft der Pizzatradition. Die neapolitanische Pizza Napoletana, seit 2017 UNESCO-Weltkulturerbe mit strengen Vorgaben – 32 Zentimeter Durchmesser, 485 °C Steinofen, 60 bis 90 Sekunden Backzeit –, hat in der Kampania ihre idealen Weinbegleiter. Ein Aglianico del Vulture oder ein Falanghina aus Benevento bieten die regionale Verwandtschaft, die italienische Gastronomiekultur grundsätzlich bevorzugt. Die Tomatensauce mit ihren 7 bis 8 % natürlichem Zucker und ausgeprägter Säure (pH 4,2 bis 4,4) verlangt einen Wein mit mindestens 6 g/l Gesamtsäure, um nicht flach zu wirken.
Für die klassische Pizza Margherita mit San-Marzano-Tomaten, Mozzarella di Bufala und Basilikum ist ein Chianti Classico aus Sangiovese die vielseitigste Paarung. Die Rebsorte zeigt die nötige Säurestruktur (6 bis 7 g/l), moderate Tannine (3 bis 4 g/l) und helle Kirsch-Himbeere-Aromatik. Der „Gallo Nero"-Hahn auf dem Etikett garantiert seit 1924 die Zugehörigkeit zum Chianti Classico-Konsortium. Spitzengüter wie Castello di Ama, Isole e Olena oder Fontodi bieten Referenzqualitäten. Ein Montepulciano d'Abruzzo aus der gleichnamigen Rebsorte (nicht zu verwechseln mit dem Ort Montepulciano in der Toskana) liefert für die Pizza Pepperoni oder Salsiccia die gewünschte Fruchtigkeit und leicht rustikale Note.
Ein wenig bekannter Aspekt: Die überraschend beste Paarung zur einfachen Pizza Margherita ist nicht ein Rotwein, sondern der Lambrusco Grasparossa di Castelvetro aus der Emilia-Romagna. Dieser rötlich-perlende Wein aus autochthonen Lambrusco-Trauben bietet zarte Kohlensäure, trockenes oder halbtrockenes Profil, niedrigen Alkohol von 11 % und signifikante Säure. Die Perlage reinigt den Gaumen zwischen den Bissen, und die Tannine strukturieren den Käse ohne zu dominieren. Die traditionellen italienischen Pizzerien in Bologna oder Modena servieren Lambrusco selbstverständlich zu Pizza – eine volkstümliche Wahrheit, die in gehobenen Restaurants oft übersehen wird.
Für Meeresfrüchte-Pizza wie Frutti di Mare oder Marinara mit Sardellen funktioniert ein Nero d'Avola aus Sizilien oder ein Vermentino aus Sardinien. Die mediterrane Salzigkeit der beiden Weine spiegelt die jodhaltigen Meeresaromen. Bei vegetarischer Pizza mit Zucchini, Pilzen oder Spargel bietet ein Falanghina del Sannio oder ein Fiano di Avellino aus Kampanien die gewünschte kräuterige Tiefe. Die amerikanische Pizza mit üppigem Belag und Zusatzkäse verträgt robustere Rotweine wie einen Zinfandel aus Kalifornien oder einen Primitivo di Manduria aus Apulien, deren hoher Alkohol (14 bis 15 %) und Marmeladenfrucht den opulenten Belag strukturieren.