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Welcher Wein passt zu Raclette?

Kurze Antwort

Klassischerweise harmonieren trockene, säurebetonte Weißweine aus alpinen Regionen: Savoyer Weine wie Apremont aus Jacquère oder Roussette aus Altesse, aber auch Schweizer Chasselas aus dem Wallis oder Fendant. Leichte, niedrige Tanninbelastung bei Rotweinen wie Gamay oder Mondeuse bietet eine Alternative.

Ausführliche Antwort

Die Raclette, ursprünglich ein Hirtengericht aus dem Kanton Wallis und Savoyen, stellt besondere Anforderungen an die Weinbegleitung. Der geschmolzene Käse mit seinem hohen Fettgehalt von 28 bis 32 % und dem ausgeprägten salzigen, nussigen Charakter verlangt einen Wein mit klarer Säure, um den Gaumen zwischen den Bissen zu erfrischen. Die Alpenweine aus Savoyen bieten diesbezüglich die ideale gastronomische Symmetrie: Ein Apremont AOC aus der Rebsorte Jacquère bietet 7 bis 8 g/l Säure, moderaten Alkohol von 11,5 % und feine mineralische Noten, die sich perfekt mit dem Raclette-Käse verbinden.

Die Schweizer Tradition bevorzugt den Chasselas aus dem Wallis, dort unter dem Synonym Fendant bekannt, der seit dem 16. Jahrhundert an den sonnigen Südhängen des Rhonetals wächst. Mit seiner diskreten Aromatik – zarten Zitrus- und weißen Blütennoten – lässt er dem Käse die Hauptrolle und unterstützt mit subtilen Mineralitätsnoten aus den kalkigen Böden. Die besten Fendants stammen aus den Lagen Dézaley und Saint-Saphorin am Lac Léman, die 2007 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurden.

Ein wenig bekannter Aspekt: Die traditionelle Raclette-Weinpaarung umfasst auch einen leichten Roten mit niedrigen Tanninen. Die Mondeuse Noire aus Savoyen – eine autochthone, vor 200 Jahren fast ausgestorbene Rebsorte – erlebt seit den 1980er Jahren eine Renaissance. Mit ihren pfefferigen Rotundon-Noten, frischer Säure und geringen Tanninen von nur 3 bis 4 g/l verbindet sie sich elegant mit dem salzigen Käse, ohne ihn zu überdecken. Weingüter wie Domaine Louis Magnin oder Domaine Belluard haben der Mondeuse internationale Aufmerksamkeit verschafft.

Vermieden werden sollten tannindominierte Rotweine wie Cabernet Sauvignon oder Syrah: Die Tannine reagieren mit den Milchproteinen zu einer unangenehm metallischen Mundempfindung. Ebenso ungeeignet sind oaklastig ausgebaute Chardonnays, deren Vanillenoten mit dem Käse konkurrieren. Eine besondere Empfehlung stellt ein trockener Riesling aus dem Elsass dar, etwa von Trimbach oder Hugel, der mit 9 g/l Säure und 12,5 % Alkohol dem Raclette-Stil souverän begegnet. Als Schaumweinalternative bietet sich ein Crémant de Savoie an, dessen alpine Frische und feine Perlage den reichhaltigen Käse rhythmisch untergliedert.

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