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Welcher Wein passt zum Gratin Dauphinois?

Kurze Antwort

Das Gratin Dauphinois verlangt einen weißen Wein aus Savoyen wie Roussette de Savoie oder einen Chardonnay aus den Côtes du Jura. Als Rotwein-Alternative eignet sich ein leichter Mondeuse aus Savoyen oder ein junger Poulsard aus Arbois.

Ausführliche Antwort

Das authentische Gratin Dauphinois, wie es im Dauphiné (Isère, Hautes-Alpes, Drôme) traditionell zubereitet wird, enthält keinerlei Käse – entgegen des internationalen Missverständnisses. Die Rezeptur besteht aus dünn geschnittenen Kartoffeln (Sorte Charlotte oder Monalisa), Sahne, Vollmilch, Knoblauch und Muskatnuss, langsam im Ofen bei 150 °C für 1 bis 1,5 Stunden gebacken. Die entstehende Textur ist cremig mit karamellisierter Oberseite. Der hohe Sahnegehalt (30 bis 40 % Fett) verlangt einen Wein mit präziser Säure und mineralischer Tiefe. Die Roussette de Savoie AOC, 100 % Altesse auf Morän-Böden der Kombe de Savoie um Frangy oder Marestel, bietet mit 11,5 bis 12,5 % Alkohol und Noten von Bergamotte, Haselnuss und weißen Blüten die ideale Ergänzung.

Ein Chardonnay aus Côtes du Jura, ouillé (mit Spundung, nicht oxidativ ausgebaut), bringt eine Alternative mit leichter Burgund-Charakteristik. Weingüter wie Jean-François Ganevat oder Domaine de la Tournelle produzieren hier Chardonnays auf Liasmergeln mit kristalliner Säure und einer subtilen Mineralität. Die geologische Verbindung zwischen Dauphiné und Jura (beide in den Voralpen-Formationen des Jurassikums) rechtfertigt diese Paarung geografisch.

Für eine Rotwein-Alternative empfiehlt sich eine Mondeuse aus Arbin oder Saint-Jean-de-la-Porte in Savoyen. Diese autochthone Rebsorte, genetisch mit der Syrah verwandt (bestätigt 2004 durch Montpellier-Forscher), entwickelt auf Kalksteinböden Aromen von schwarzem Pfeffer, Veilchen und Brombeere. Der Alkoholgehalt bleibt moderat (11,5 bis 12,5 %), die Tannine sind fein und die Säure frisch – ein idealer Partner für das Gratin bei warmen Sommer-Abendessen. Überraschend: Die Mondeuse-Rebfläche in Savoyen ist seit 1850 von 8.000 auf nur 300 Hektar gesunken, was sie zu einer Rarität macht.

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