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Welches ist die am meisten gepflanzte Rebsorte der Welt?

Kurze Antwort

Die weltweit am meisten gepflanzte Rebsorte ist Kyoho, eine japanische Tafeltraube, mit rund 365 000 Hektar. Im Weinbausegment führt Cabernet Sauvignon mit etwa 340 000 Hektar, gefolgt von Merlot (266 000 ha), Tempranillo (232 000 ha), Airén (218 000 ha) und Chardonnay (211 000 ha).

Ausführliche Antwort

Die globale Rangliste der Rebsorten erfasst sowohl Keltertrauben als auch Tafeltrauben und wird von der OIV (Internationale Organisation für Rebe und Wein) alle fünf bis zehn Jahre aktualisiert. Die letzte umfassende Erhebung, veröffentlicht 2017 von den Forschern Kym Anderson und Signe Nelgen, zeigte bemerkenswerte Verschiebungen im Vergleich zu früheren Erhebungen. Kyoho, eine in den 1930er-Jahren in Japan gezüchtete Hybridsorte (Ishiharawase × Centennial), hat Airén – jahrzehntelang die flächenmässige Nummer eins – von der Spitze verdrängt, getrieben durch die explosionsartige Ausweitung des chinesischen Tafeltraubenmarktes.

Bei den Keltertrauben hat Cabernet Sauvignon 2010 Merlot überholt und seitdem seine Führungsposition ausgebaut. Die globale Fläche stieg zwischen 1990 und 2020 um über 60 Prozent – ein Phänomen, das als "Cabernetisierung" der Weinwelt beschrieben wird. Die wichtigsten Wachstumsmärkte sind China (über 60 000 Hektar Cabernet, grösstenteils im Ningxia- und Hebei-Gebiet), Chile (42 000 ha) und Australien (25 000 ha). Airén, die autochthone spanische Weisssorte La Manchas, zeigt dagegen den stärksten Rückgang: Von rund 476 000 Hektar in den 1990er-Jahren auf heute 218 000 Hektar – ein Rückgang, der durch EU-Rodungsprogramme und den Umstieg auf wertvollere Sorten (Tempranillo, Verdejo) erklärt wird.

Ein wenig bekannter Fakt: Die genetische Diversität des weltweiten Rebsortenportfolios ist seit den 1990er-Jahren drastisch zurückgegangen. Die zwölf weltweit am meisten gepflanzten Rebsorten belegen heute über ein Drittel der globalen Rebfläche – vor 40 Jahren waren es weniger als 20 Prozent. Diese "önologische Vereinheitlichung" wird zunehmend kritisiert, insbesondere in Italien, Portugal und Griechenland, wo Bemühungen zur Renaissance autochthoner Rebsorten (wie Fiano, Baga oder Xinomavro) seit den 2010er-Jahren an Dynamik gewinnen. Die statistische Führung von Tempranillo (dank Spanien, wo es auf über 205 000 ha angebaut wird) ist ebenfalls ein verhältnismässig junges Phänomen – 1990 lag Tempranillo noch weit hinter Garnacha.

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