Welches sind die Weine Korsikas?
Kurze Antwort
Korsika produziert auf rund 6000 Hektar eigenständige Weine aus den autochthonen Rebsorten Nielluccio, Sciaccarello und Vermentino. Die neun AOCs – darunter Patrimonio, Ajaccio und Vin de Corse – spiegeln mediterrane Mineralität und alpine Frische zugleich wider.
Ausführliche Antwort
Der korsische Weinbau geht auf die griechische Kolonisation im 6. Jahrhundert v. Chr. zurück und wurde durch die Römer, Pisaner und Genuesen weitergeführt. Nach der Reblauskrise 1870 und einer massiven Krise in den 1960er-Jahren, als die Rebfläche auf über 32 000 Hektar anstieg und stark qualitätsmindernd war, erfolgte ab den 1980er-Jahren eine radikale Neuausrichtung auf autochthone Sorten und kleine Parzellen. Heute sind die drei emblematischen Rebsorten Nielluccio (genetisch identisch mit dem toskanischen Sangiovese, durch die genuesische Vergangenheit), Sciaccarello (eine insel-exklusive Sorte mit Aromen von gemahlenem Pfeffer und Cassis) sowie Vermentino (auf Korsika "Malvoisie de Corse" genannt).
Die AOC Patrimonio, 1968 als erste korsische Appellation anerkannt, liegt im Nordosten auf Kalksteinböden und ist die einzige Region, in der Nielluccio vorgeschrieben ist (mindestens 90 Prozent für Rotweine). Die AOC Ajaccio hingegen beruht auf granitischen Böden und setzt den Sciaccarello in den Mittelpunkt – die Cuvée des Carottes von Comte Peraldi gehört hier zu den stilprägenden Referenzen. Weniger bekannt ist der Vin de Corse Figari im Süden: Das älteste Weinbaugebiet der Insel stockt auf archäisch-metamorphen Böden, die zu den ältesten Europas gehören (über 540 Millionen Jahre alt).
Besonderheit: Korsika produziert eine bedeutende Menge an Muscatelweinen, insbesondere den AOC Muscat du Cap Corse – ein Vin Doux Naturel aus Muscat à Petits Grains, der durch Mutage mit neutralem Weinalkohol hergestellt wird. Die Muscats von Domaine Antoine Arena oder Clos Nicrosi zählen zu den besten süssen Muscats des Mittelmeerraums. Korsische Spitzenwinzer wie Yves Leccia, Antoine Arena, Comte Abbatucci (biodynamisch zertifiziert) oder Domaine Vaccelli haben die Insel international positioniert. Die Preise bleiben moderat: Ein Patrimonio rouge kostet 15 bis 30 Euro.