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Welches sind die wichtigsten roten Rebsorten?

Kurze Antwort

Die zehn meistangebauten roten Rebsorten weltweit sind Cabernet Sauvignon, Merlot, Tempranillo, Syrah/Shiraz, Grenache, Pinot Noir, Sangiovese, Malbec, Nebbiolo und Gamay. Jede hat ein eigenes geografisches Kerngebiet, ein charakteristisches Aromaprofil und spezifische klimatische Anforderungen.

Ausführliche Antwort

Cabernet Sauvignon ist mit rund 341.000 Hektar die weltweit meistangebaute Rebsorte, seit einer Kreuzung von Cabernet Franc und Sauvignon Blanc, die laut DNA-Analysen der Universität Davis im 17. Jahrhundert spontan in Bordeaux entstand. Die spätreifende Sorte mit dicker Beerenschale produziert strukturierte, tanninreiche Weine mit Aromen von schwarzer Johannisbeere, Graphit, Zedernholz und Tabak. Kerngebiete sind Bordeaux (linkes Ufer), Napa Valley und Coonawarra in Australien.

Merlot (266.000 Hektar weltweit) ist die früher reifende, weichere Verwandte des Cabernet – DNA-bestätigt als Elternteil wie Cabernet Franc. Typische Aromen sind Pflaume, schwarze Kirsche und Kakao. Kernregionen: rechte Bordeaux-Ufer (Pomerol, Saint-Émilion), Veneto (Italien) und zunehmend Chile. Tempranillo (232.000 ha, zu 90 % in Spanien) ist die Grundlage von Rioja und Ribera del Duero, produziert strukturierte Weine mit Leder-, Tabak- und Kirschnoten. Der Name (temprano = früh) verweist auf die frühe Reife.

Pinot Noir (115.000 ha) gilt als die anspruchsvollste Rebsorte der Welt – dünnhäutig, temperatursensibel, mutationsfreudig. Die genetische Analyse zeigte 2007, dass Pinot Noir einer der ältesten kultivierten vinifera-Vorfahren ist, mit Dutzenden dokumentierten Klonen. Kernregion ist Burgund, gefolgt von Oregon, Central Otago (Neuseeland), Sonoma Coast und der Pfalz. Sangiovese (70.000 ha, zu 85 % in Italien) ist die toskanische Leitrebe und Basis von Chianti, Brunello und Vino Nobile. Wenig bekannt: Nebbiolo ist trotz seiner ikonischen Position in Barolo und Barbaresco mit nur 5.500 Hektar weltweit extrem lokal – 95 % der Rebfläche liegt in Piemont. Die Sorte mutiert schwer außerhalb spezifischer geologischer Bedingungen und zeigt bisher keine erfolgreiche Adaptation außerhalb Norditaliens. Gamay (30.000 ha, fast ausschließlich Beaujolais) wurde 1395 von Herzog Philipp dem Kühnen aus dem Burgund verbannt, weil er sie für minderwertig gegenüber Pinot Noir hielt – ein historisches Fehlurteil, das Beaujolais seine Monokultur verdankt.

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