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Wie erstellt man eine eigene Verkostungskarte?

Kurze Antwort

Eine persönliche Verkostungskarte enthält fünf Bereiche: visuelle Analyse (Farbe, Intensität, Klarheit), Nase (Intensität, Aromafamilien), Gaumen (Süße, Säure, Tannin, Alkohol, Körper, Geschmack, Finish), Qualität (Balance, Komplexität, Länge) und Fazit (Lagerpotenzial, Paarungen, Preis-Leistung). Strukturiert mit Bewertungsskalen.

Ausführliche Antwort

Die Erstellung einer eigenen Verkostungskarte ist eine methodische Übung, die Verkostungsdisziplin fördert und langfristige Vergleiche ermöglicht. Professionelle Vorlagen wie die WSET Systematic Approach to Tasting (SAT), die Master of Wine Tasting Grid oder die Offizielle Verkostungskarte der Deutschen Landwirtschaftlichen Gesellschaft (DLG) dienen als Ausgangspunkt. Eine personalisierte Karte kombiniert Elemente dieser Standards mit individuellen Schwerpunkten.

Erster Abschnitt: Objektive Daten. Name des Weins, Produzent, Appellation, Jahrgang, Rebsortenzusammensetzung, Alkoholgehalt, Preis, Flaschendatum, Öffnungsdatum und -zeit, Serviertemperatur. Zweiter Abschnitt: Visuelle Analyse. Klarheit (klar/trüb), Intensität (blass/mittel/tief), Farbton (für Weißwein: zitronengrün → gold → bernstein; für Rotwein: purpur → rubinrot → granat → ziegelrot), Sonstige Beobachtungen (Schaumbildung, Viskosität, Kristalle).

Dritter Abschnitt: Olfaktorische Analyse. Intensität (leicht/mittel/stark), Entwicklung (jugendlich/entwicklend/voll entwickelt/vergangen), Aromenfamilien strukturiert nach Ann Nobles Aroma Wheel: Primäraromen (aus der Traube: fruchtig, floral, kräuterig, pfeffrig), Sekundäraromen (aus der Gärung: buttrig, keksig, hefig), Tertiäraromen (aus Alterung: ledrig, tabakig, trüffelig, vanillig, kokosartig). Mindestens 5-10 konkrete Deskriptoren pro Wein empfohlen.

Vierter Abschnitt: Gustatorische Analyse. Süße (trocken/halbtrocken/lieblich/süß), Säure (niedrig/mittel/hoch/extrem hoch), Tannine (weich/mittel/fest/adstringierend bei Rotwein), Alkohol (niedrig/mittel/hoch/brennend), Körper (leicht/mittel/voll), Geschmack (gleicht olfaktorische Aromen?), Finish (kurz/mittel/lang/sehr lang in Sekunden messbar: < 5 s / 5-15 s / 15-30 s / >30 s).

Ein wenig bekannter Aspekt: Der "Persistance Aromatique Intense" (PAI) wird in Sekunden gemessen. Jean Lenoir (Erfinder des "Le Nez du Vin"-Aromasets) empfiehlt, den Finish präzise mit Stoppuhr zu messen. Ein Grand Cru Bordeaux kann 45-60 Sekunden PAI haben, ein Tafelwein nur 3-5 Sekunden. Diese Metrik korreliert stark mit objektiver Qualität.

Fünfter Abschnitt: Qualitätsbewertung. Balance (Harmonie der Komponenten), Komplexität (Vielfalt der Aromen), Länge (Persistance), Intensität, Entwicklungspotenzial. Bewertungsskala nach Wahl: 20-Punkte (Parker-Skala, französisches System), 100-Punkte (Robert Parker-System), 5-Sterne, oder qualitative Einstufung (schwach/akzeptabel/gut/sehr gut/herausragend). Zusätzlich Freitext-Bemerkungen und ideale Paarungen.

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