expertvin
·Information

Wie scannt man ein Weinetikett mit dem Smartphone?

Kurze Antwort

Die bekanntesten Apps zum Scannen von Weinetiketten sind Vivino (mit über 15 Millionen Weinen in der Datenbank), Wine-Searcher und Delectable. Man fotografiert das Etikett mit der App, die durch Bilderkennung den Wein identifiziert, Bewertungen, Preise und Verkostungsnotizen bereitstellt.

Ausführliche Antwort

Vivino ist der globale Marktführer mit rund 70 Millionen Nutzern und einer Datenbank von über 15 Millionen Weinen sowie 300 Millionen Nutzerbewertungen (Stand 2024). Die Bilderkennungstechnologie basiert auf einem maschinellen Lernsystem, das 2010 von einem dänischen Entwicklerteam gestartet wurde und seither kontinuierlich verfeinert wurde. Die Scan-Genauigkeit liegt für westliche Mainstream-Weine bei über 95 Prozent, sinkt aber deutlich für kleine Produzenten, abseitige Jahrgänge oder selten fotografierte Etiketten. Die App zeigt durchschnittliche Nutzerbewertung (auf 5-Punkte-Skala), Community-Tastingnotes, Verkaufspreise und Vergleichsweine an.

Wine-Searcher verfolgt einen anderen Ansatz: Weniger Community-Bewertung, mehr professionelle Daten und Preistransparenz. Die App aggregiert Preisangebote aus über 100 000 Weinhandlungen weltweit und ist besonders nützlich für Investmentweine und seltene Flaschen, die der beste Sekundärmarktpreis-Indikator ist. Delectable, primär auf Sommeliers und Weinprofis ausgerichtet, bietet die sozialnetzwerkartigste Erfahrung: Sie folgen bekannten Kritikern wie Eric Asimov oder Master Sommeliers und sehen deren persönliche Verkostungsnotizen in Echtzeit.

Die Funktionsweise der Bilderkennung ist technisch bemerkenswert. Die Apps verwenden Convolutional Neural Networks (CNN), die auf Millionen von Etikettbildern trainiert wurden. Das System extrahiert mehrere Features: Typografie, Farbkomposition, Bildelemente (Wappen, Illustrationen), Textfragmente über OCR-Technologie. Die Kombination dieser Features erzeugt einen "Fingerabdruck", der gegen die Datenbank abgeglichen wird. Ein wenig bekannter Fakt: Vivino behält jedes neu gescannte Etikett als Trainingsdaten – je mehr Nutzer einen bestimmten Wein scannen, desto besser wird die Erkennungsgenauigkeit.

Limitationen zu beachten: Bewertungen auf Vivino zeigen einen starken "Popularitätsbias" – Weine mit mehr Scans werden tendenziell besser bewertet, weil nur interessierte Konsumenten überhaupt scannen (Selektions-Bias). Die durchschnittlichen Vivino-Bewertungen lassen sich also nicht direkt mit professionellen Punktesystemen (Parker, Wine Spectator, Decanter) vergleichen. Für ernsthafte Investmententscheidungen oder Verkostungsbildung sollten Sie die App-Bewertungen als Ausgangspunkt nutzen und mit professionellen Quellen (RVF, Wine Advocate, Jancis Robinson) kreuzreferenzieren. Eine weitere Funktion: Vivino erlaubt den Aufbau einer persönlichen Kellerdatenbank, die Sie mit Trinkfenstern, eigenen Notizen und Flaschenpreisen tracken können – nützlich für Sammler mittlerer Grösse.

Available in

FAQ