expertvin
·Information

Wie verwaltet man die Weinrotation in einem Restaurant?

Kurze Antwort

Die Weinrotation wird durch FIFO-Prinzip (First In, First Out), systematische Bestandskontrollen und Software wie Plate IQ oder Wine List Pro gesteuert. Ziel ist eine Lagerumschlagsrate von 4–8 Mal pro Jahr, abhängig von Restaurant-Typ und Premium-Anteil.

Ausführliche Antwort

Die Weinrotation umfasst drei operationelle Ebenen. Erstens die physische Bewirtschaftung: Nach FIFO-Logik werden ältere Flaschen zuerst verkauft, was durch Etiketten mit Eingangsdatum und klaren Lagerplatzzuweisungen ermöglicht wird. Burgunder und Bordeaux älterer Jahrgänge werden separat gelagert und nicht mit neuen Lieferungen vermischt. Zweitens die analytische Ebene: Monatliche Lagerzählung (inventaire) mit Abgleich gegen das Kassensystem identifiziert Verluste durch Bruch, Diebstahl oder Schwund, die in belgischer Gastronomie typisch bei 1,2–2,5 % des Umsatzes liegen.

Drittens die strategische Ebene: Die ABC-Analyse identifiziert A-Positionen (20 % der Referenzen, 80 % des Umsatzes), B-Positionen (30 %, 15 % Umsatz) und C-Positionen (50 %, 5 % Umsatz). C-Positionen werden reduziert oder durch „Staff Recommendations“ aktiv verkauft. Ein wenig bekannter Ansatz ist die „Dead Stock Analysis“: Flaschen, die seit 180 Tagen nicht verkauft wurden, werden als Kapitalbinder identifiziert und entweder reduziert (Happy Hour, Wine Club), im Menü-Pairing forciert oder an befreundete Restaurants verkauft. Ein Sternerestaurant mit 800 Positionen hat typischerweise 8–12 % Dead Stock, was ein fünfstelliges Eurokapital bindet.

Digitale Tools haben die Rotation transformiert. Plate IQ automatisiert Lieferantenrechnungen, CellarTracker (als gastronomische Variante via Winelist.io) integriert Verkaufsdaten mit Bewertungsportalen, Sherpa for Restaurants erlaubt mobile Inventar-Scans mit Barcode. Die kritische Kennzahl ist der Weinlagerumschlag: Ein Bistro mit 100.000 € Lagerwert und 400.000 € Jahresumsatz Wein hat einen Umschlag von 4×, was unterdurchschnittlich ist. Ideal sind 6–8×, was Lagerkapital und Cashflow verbessert. Premium-Weine mit 10–20 Jahren Reifepotenzial haben natürlich niedrigere Rotation und werden separat als „Cellar Investment“ bilanziert. Die belgische Steuergesetzgebung erlaubt die Abschreibung des Weinbestands über 5 Jahre (Art. 61 CIR92), was steuerliche Optimierung ermöglicht.

Available in

FAQ