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Wie viele Rebsorten gibt es weltweit?

Kurze Antwort

Weltweit sind etwa 10.000 bis 13.000 Rebsorten dokumentiert, aber nur rund 1.300 werden kommerziell im Weinbau genutzt. Die 33 am meisten angebauten Rebsorten bedecken etwa die Hälfte der weltweiten Rebfläche. Die wichtigste einzelne Sorte ist Kyoho aus China (Tafeltraube), die wichtigste Kellertrauben-Sorte Cabernet Sauvignon.

Ausführliche Antwort

Die Vitis International Variety Catalogue (VIVC) der Hochschule Geisenheim listet derzeit über 25.000 Einträge, die meisten davon sind Synonyme oder unbedeutende Lokalvarietäten. Realistisch sind 5.000–6.000 genetisch distinkte Rebsorten wissenschaftlich identifiziert. Davon sind rund 1.300 kommerziell relevant, und die Top 33 Sorten decken etwa 50 % der weltweiten Rebfläche von 7,3 Millionen Hektar (OIV-Daten 2023) ab.

Die meistangebaute Weinrebe der Welt ist tatsächlich Cabernet Sauvignon mit etwa 340.000 Hektar weltweit. Dahinter folgen Merlot (257.000 ha), Tempranillo (231.000 ha), Airén (221.000 ha, eine spanische Weißweinsorte, die für Brandy-Destillation genutzt wird), Chardonnay (211.000 ha) und Syrah/Shiraz (190.000 ha). Die chinesische Tafeltraube Kyoho übertrifft diese Zahlen deutlich, zählt aber nicht zur Weintraube Vitis vinifera, sondern ist eine Kreuzung von Vitis vinifera und Vitis labrusca.

Regional konzentriert sich die Vielfalt historisch stark. Italien verzeichnet über 2.000 autochthone Rebsorten, Griechenland rund 300, Georgien 500 (viele davon aus der 8000-jährigen Weinbaukultur stammend). Portugal hat etwa 250 einheimische Sorten, viele davon nur im Douro oder Dão zu finden: Touriga Nacional, Touriga Franca, Baga, Alvarinho. Der Süden Frankreichs mit Languedoc, Roussillon und Korsika kennt ebenfalls seltene autochthone Varietäten wie Mourvèdre, Rolle (Vermentino), Niellucciu oder Sciaccarellu.

Ein faszinierender Aspekt ist die Renaissance autochthoner Rebsorten. Nach dem Siegeszug internationaler Sorten (Cabernet, Chardonnay) in den 1980ern gibt es seit 2000 einen klaren Gegentrend: Winzer besinnen sich auf lokale Traditionen. Assyrtiko aus Santorini, Xinomavro aus Nordgriechenland, Baga aus Bairrada, Mencía aus Bierzo und Nebbiolo aus dem Piemont sind auf internationalen Märkten zu Stars geworden. Eine wenig bekannte Kuriosität: Die älteste weltweit dokumentierte Rebsorte ist Savagnin (identifiziert in der Vigne des Romains bei Delphi seit etwa 900 v. Chr.), und die genetisch analysierten Reben von Pompeji (79 n. Chr.) zeigen enge Verwandtschaft zur heutigen Piedirosso und zum Fiano di Avellino.

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