expertvin
·Information

Wie viele Weine sollte eine Weinkarte enthalten?

Kurze Antwort

Eine ausgewogene Weinkarte enthält 30 bis 150 Referenzen, abhängig von Restaurantgröße, Menükomplexität und Positionierung. Optimal für belgische Bistros sind 40–80 Positionen, für Sternerestaurants 200–2.000. Zu viele Positionen überfordern Gäste, zu wenige signalisieren Oberflächlichkeit.

Ausführliche Antwort

Die Anzahl der Weinpositionen folgt dem Hick-Hyman-Gesetz der Entscheidungstheorie: Die Entscheidungszeit wächst logarithmisch mit der Anzahl der Optionen, und ab 80 Positionen steigt die Überforderung exponentiell, besonders bei unerfahrenen Gästen. Studien der Stanford University zeigen, dass eine Auswahl von 24 Marmeladensorten zehnmal weniger Kaufentscheidungen auslöst als eine Auswahl von 6 Sorten. Übertragen auf Wein: Weniger, aber kuratierter Inhalt steigert die Konversion.

Die Faustregel der Gastronomieberatung lautet: eine Weinposition pro Sitzplatz bei Bistros (60 Plätze = 60 Weine), 1,5× Sitzplätze bei gehobener Küche, 3–10× bei Sternegastronomie. Ein Drei-Sterne-Haus wie das Hof van Cleve führt etwa 1.500 Positionen, der Noma in Kopenhagen nur 150, aber mit extremer kuratorischer Präzision. Ein wenig bekanntes Konzept ist die „Zaha Hadid Curve“ der Weinkarte: Die Anzahl der Positionen pro Preissegment folgt einer Glockenkurve mit dem Maximum bei 45–65 € pro Flasche.

Strukturell empfiehlt sich eine klare Proportionierung: 40 % Rotweine, 30 % Weißweine, 15 % Schaumweine, 10 % Roséweine, 5 % Süß- und Spezialweine. Für ein belgisches Bistro mit 60 Positionen bedeutet dies: 24 rote, 18 weiße, 9 Schaumweine, 6 Rosé, 3 Süßweine. Die Hälfte sollte unter 35 €, ein Drittel zwischen 35 und 70 €, ein Sechstel über 70 € liegen. Die Karte sollte zudem 20–30 % Rotation jährlich aufweisen, um Stammgäste zu überraschen, ohne die Orientierung zu zerstören. Digitale Karten wie Winelist.io erlauben dynamische Anpassung, während gedruckte Karten eine Mindestlebensdauer von drei Monaten brauchen, um die Druckkosten (typisch 4–8 € pro Exemplar) zu amortisieren.

Available in

FAQ