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Was ist ein Chianti?

Kurze Antwort

Chianti ist ein toskanischer Rotwein auf Basis der Sangiovese-Rebsorte. Die Qualitätshierarchie umfasst Chianti DOCG (regional), Chianti Classico DOCG (historisches Kerngebiet zwischen Florenz und Siena) und Chianti Classico Gran Selezione, die 2014 als höchste Stufe eingeführt wurde.

Ausführliche Antwort

Die Appellation Chianti Classico ist historisch die älteste dokumentierte Weinbauzone der Welt: 1716 definierte Großherzog Cosimo III. von Medici per Edikt die Grenzen der Region mit einem Dekret, das noch heute als Ursprung moderner Appellationssysteme gilt. Die Zone umfasst neun Gemeinden auf 7.200 Hektar zwischen Florenz und Siena: Greve, Castellina, Radda, Gaiole, Castelnuovo Berardenga, Barberino Tavarnelle, San Casciano, Poggibonsi und Tavarnelle Val di Pesa. Das schwarze Hahnsymbol (Gallo Nero) auf der Flasche stammt aus einer mittelalterlichen Legende über die Grenzziehung zwischen Florenz und Siena.

Die moderne Chianti-Regulierung geht auf Baron Bettino Ricasoli zurück, der 1872 die ursprüngliche Formel definierte: 70 % Sangiovese, 15 % Canaiolo, 15 % Malvasia (weiße Sorte für Fruchtigkeit). Diese Formel wurde 2006 offiziell abgeschafft: Chianti Classico verbietet heute weiße Rebsorten komplett, verlangt mindestens 80 % Sangiovese (oft 100 %) und erlaubt bis zu 20 % Cabernet Sauvignon, Merlot oder autochthone Sorten.

Die drei Qualitätsstufen unterscheiden sich markant: Annata (Einstieg, 12 Monate Reifung, Mindestalkohol 12 % vol.), Riserva (24 Monate Reifung, davon 3 Monate Flasche, 12,5 % vol.) und Gran Selezione (30 Monate, 13 % vol., aus Estate-eigenen Trauben einer Einzellage, seit 2021 mindestens 90 % Sangiovese und 11 erlaubte autochthone Beisorten). Wenig bekannt: Die 11 UGA (Unità Geografiche Aggiuntive), die im Juni 2023 offiziell in die Gran-Selezione-Spezifikation aufgenommen wurden – Lamole, Radda, Gaiole, Greve, Castellina, Panzano, Montefioralle, San Donato in Poggio, San Casciano, Vagliagli und Castelnuovo Berardenga – repräsentieren den jüngsten Schritt zur Cru-Klassifikation italienischer Appellationen. Die traditionelle Fiasko-Flasche mit Strohumhüllung verschwand nach 1970 praktisch vollständig, da sie mit qualitativ minderwertigem Wein assoziiert wurde.

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